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Steilwandgeplänkel

Eine kurze Tour war angesagt – da „er“ am Nachmittag Gewitter gemeldet hat. Peter und Roland, aus dem hohen Norden Mittelostdeutschlands, starteten um 3:30 Uhr und sammelten Tobi noch auf wem Weg ein.
Am Parkplatz bewunderten Chris und ich als erstes Tobi’s neuen Rahmen.
Die 800hm am Normalweg zur komplett ausgestatteten Hütte, samt Küche, Klo und Wasserspülung, vorbei an FlipFlop tragenden Touristen auf Familienurlaub, vertrieben wir uns mit Leichtbaufachgesimpel und dem einen oder anderen Filmstopp.
„Wir haben eine Tradition hier oben“ spricht der unpolitische Hüttenwirt „du zahlst dein Essen, dafür darfst es essen und aufs Häusl gehen!“. Nach der Gulaschsuppe gehts ab zu den ausgesetzten Holzstufen.

Die obere Hälfte des Weges ist auf der schwierigen Seite, dafür mit vielen Filmmöglichkeiten. Auf einigen Abbildungen mag sich einem die Sinnfrage des dargstellten Unterfanges in den Sinn schleichen. Hierzu darf ich Tobi’s waises Zitat zitieren: „hmmm, die Frage müsste besser lauten: hältst Du es für möglich (wahrscheinlich?) urplötzlich mit Mach2 nach links zu kippen? Darauf würd ich sagen, eher nicht. Im dümmsten Fall merk ich dass ich beim Hüpfbiken *langsam* aus dem Gleichgewicht gerate und nach links zu kippen drohe. In dem Fall würd ich dem Peter (das ist der, der da steht) gschwind ne sms schicken, obs ihm evtl. was ausmachen würde mich doch bitte wieder gen Hang zu drücken. => bleibt nur noch das Risiko einer lückenhaften Netzabdeckung in den Bergen!“

Eine knackige Stelle reiht sich an die andere und es macht extrem Spass die anderen beim probieren zu filmen bzw fotografieren bzw selbst einiges zu probieren. Die Stimmung steigt kontinuierlich an. In einer verwinkelten Kurve wirds fast zur Bierzeltstimmung – sehr laiwand.

Im unteren Drittel wirds etwas schneller und, nach dem Steilwandgeplänkel, angehnehm leichter. Allerdings zeitlich begrenzt, da das nahende Grollen Regen ankündigt. Kurz vor Schluss schiff es uns dann auch richtig ein.
Retour gibts noch 200hm bergauf – alles im Regen. Allerdings ist es warm und alle Bremsen attackieren Chris, man muss nur in seiner Nähe bleiben.

Zum Abschluss gibts ein saftiges bayrisches GordonBleu und so manches (bleifreies) Weizen.
Super wars!

Treffpunkt: Parkplatz in Arco

Nach gut 2,5 Stunden Autofahrt stehen wir endlich wieder einmal in Arco und warten nur noch auf Matze und Chris. Die Sonne lacht uns entgegen und wir (Maschtl, Ferdl und ich) freuen uns schon auf drei Tage Gardasee pur. Und da kommen die anderen schon. Schnell begrüßen und ab nach Limone um die Bikes umzuladen. Bei dem traumhaften Wetter habe ich eigentlich gar keine Lust auf diese Shuttlerei, aber wann habe ich eigentlich jemals Lust aufs shutteln? Da macht Martin uns (Ferdl und mir) einen Vorschlag, den wir auch sofort annehmen. „Mir lassen enk bei der Mittn aussa, dann kennt`s a bisserl aufi treten“. Also treten wir zu zweit die schöne Straße zum Passo Nota empor und geniessen einfach alles. Maschtl, Matze und Chris sitzen im gCJB (zur Erklärung: im grünen Citroen Jumper Bus) und erwarten uns schon. „Seid`s ihr schon da?“ fragt der Martin und gleich darauf geht es zu fünft weiter, um zur ersten Abfahrt zu kommen. Aber das dauert bei so einem Herbstwetter oft länger als man denkt. Es wird für das Intro gefilmt, für diesen Bericht fotografiert, es wird gelacht und geblödelt, dass es nur so a Gaudi ist. Und dann sind wir soweit: erste Abfahrt Richtung Limone. Wir kennen den ersten Teil schon, aber Ferdl war ja noch nie mit uns am Gardasee und so ist für ihn jede Abfahrt Neuland. Aber er macht sich schon wirklich gut! Der Steig ist herrlich zu Fahren. Am Anfang leicht tricksig, dann voll flowig nur zwischendurch muss man einmal sogar leicht aufwärts treten. Bei einer schwierigen Stelle braucht Ferdl etwas Überredung und schon knackt er seine erste heftige Stelle. Mit einem breiten Grinsen fährt Ferdl den restlichen Tag weiter. Den übrigen Bikern ergeht es gleich, als wir nach 4 Stunden Abfahrt unser Auto erreichen.

Martin und Matze sind gleich wieder unterwegs, um Martin`s Bus zu holen, während Chris, Ferdl und ich uns einen Cappuccino gönnen. Müde aber zufrieden lassen wir den Tag Revue passieren und sehen zu, wie unsere Bikes von so manchem Italiener begutachtet werden. Irgendwie sind wir doch alle stolz auf unsere Bikes und auch auf das was wir so machen.
Am Abend beziehen wir unser Appartement und Maschtl überrascht uns mit den besten Kasspatzln, die wir jemals am Gardasee gegessen haben. Dazu eine große Schüssel Salat und Bier und Wein und massig gute Laune. Dann treffen wir noch Tobi, Werner, James und … (Leider weiß ich den Namen nicht – bitte einfügen) und plauschen mit ihnen unter blauem Himmel, bis uns zu kalt wird. An dieser Stelle danke an Werner, der uns diese Unterkunft empfohlen und reserviert hat. Tobi hat leider LEICHTE Magenprobleme und kann 3 Tage nicht biken. Aber Tobi, tröste dich – war eh nur ein Sche… 🙂

Der nächste Morgen bringt wieder Sonnenschein pur und 1- Kind Tom nach Riva. Wir entscheiden uns für einen Steig, der von uns im Frühjahr zum ersten Mal befahren wurde. Drei oder vier Stellen sind noch offen und deswegen treten Chris, Ferdl und ich die Ponalestraße nach Pregasina hinauf. Wie im Frühjahr sind wir wieder beeindruckt von der grandiosen Fernsicht und der Aussicht auf dieser ehemals stark befahrenen Autostraße. Im Frühjahr wurden Chris und ich beim Aufwärtstreten und Fotografieren drei mal von zwei Fußgängerinnen überholt und etliche Biker waren auf der Strecke, aber heute sind keine Leute mehr unterwegs. Gähnende Leere, sehr zu unserer Freude.
Am ausgemachten Treffpunkt warten Matze, Maschtl und 1-Kind Tom schon ungeduldig auf uns. Nach einer kurzen Rast und einer Stärkung, schmeißen wir uns in die Abfahrt. Dieser Steig kann was: Ausgesetztheit, Spitzkehren, dicke Eier Stellen und Tiefblicke, die Ihresgleichen suchen, das alles kompakt auf 800Hm. Genau das richtige für uns. Und es läuft! Jede Stelle wird von uns geknackt. Allerdings mit teilweise bis zu 20 Versuchen, aber was soll`s. Schlechte Laune gibt es bei uns sowieso keine (außer man ist nicht dabei oder man hat Magenprobleme – Sorry Tobi!!!) und was uns heute alles gelingt, hebt unsere Laune nur weiter in die Höhe. Und so trailen wir immer weiter dem See entgegen, immer wieder hört man ein „ja geil“ oder „Juchuu“ oder „sauber gefahren“. Unzählige Fotos werden gemacht und das Material für unseren Film wird auch immer mehr. Als uns der Steig am Abend auf die Straße ausspuckt, grinsen wir wieder bis über beide Ohren. Schotter, Felsen, Spitzkehren, Stufen, große Stufen und das garniert mit so einem Herbst am Gardasee, mehr braucht es nicht, um uns zufrieden zu stellen.
Zurück in der Unterkunft, die wirklich nobel ist, wird auch schon gekocht und geschnitten und Dosen geöffnet und, und, und…bis spät in die Nacht.

Der dritte Tag beginnt mit einem Blitzstart von Matze und Tom, um ein paar vergessenen Sachen vom Vortag zu bergen. Danach wird auf den Monte Altissimo geshuttelt. Diesmal bin ich froh darum. 2000Hm sind auch mir zu viel. Also rein in den Bus und rauf auf den Berg. Jetzt müssen wir eh noch 500Hm treten, schieben und tragen. Chris und ich knipsen uns die Seele aus dem Leib und so erreichen wir langsam einen absolut traumhaften Rastplatz. Während wir jausnen, sehen wir einen uns bekannten Lockenkopf sein Bike heraufschieben. Roli Noichl und noch einige andere Gamsler wollen heute den 601er fahren und so treffen wir uns zufällig auf über 2000 Meter Seehöhe. Ausmachen könnte man so etwas nicht. Nach einem kurzen Plausch schiebt die Gamstruppe ihre Bikes weiter. Langsam müssen wir auch hinauf und so tragen wir unsere Bikes auf den Gipfel, wo wir die „paarhufigen Wiederkäuer ;-)“ wiedertreffen. Es wird nochmals geblödelt, doch dann trennen sich unsere Wege. Wir cruisen über unseren Steig hinunter bis zu einer Steilstufe.
Naja, keiner kannte den Steig und die Karte ist nicht immer zuverlässig. „The absolut Pathfinder“ war am Vorabend auch nicht zur Hand und so tragen wir unsere Bikes wieder für ca. 400Hm in Richtung Tal ähhh See. Zum Tragen ist es wirklich nicht einfach. Der Steig führt teilweise durch eine Felswand und man hat circa einen Meter Breite, um mit dem Bike das Grasband zu queren. Landschaftlich ist das sicher einer der schönsten Steige, die man am Gardasee findet. Ausserdem hat auch hier der Herbst seine volle Kraft entfaltet. Alles ist gelb und rot. Dann finden wir doch noch eine flowigen Weg, der uns bis direkt zum See führt. Und wenn Matze vor mir fährt, kann sogar ich einmal auf das Gas drücken und wirklich speedig den Weg runterjetten. Unten angekommen, verabschiedet sich 1-Kind Tom von uns. Er kann noch einen Tag länger bleiben. Viel Spaß! Während Ferdl, Matze und Maschtl die Bikes einladen, mache ich die letzten Fotos vom Abendhimmel und höre im Hintergrund Instruktionen wie „mach a Pano“ oder „a HDR war geil“. Leider habe ich kein Stativ bei der Hand und so werden es „nur“ Fotos und ein Panorama.
Abschließend genießen wir noch eine Pizza in Torbole wo es wieder einmal einstimmig heißt: Geil war`s!

Am frühen Morgen

…beginnt mein Radiowecker zu düdln. Noch schlaftrunken frag ich mich wers da wagt mich zu wecken, da kommt schon die Antwort. „Hier ist der österreichische Rundfunk“ Ich denk mir boah, wie spät ist es denn? Und schon wieder die Antwort „Es ist fünf Uhr“ Da fällt mir ein, dass wir heute biken gehen, hoffentlich haben wir gutes Wetter, und wie nicht anders zu erwarten sagt mein Radio „Die Wettervorhersage: Südlich des Alpenhauptkammes gibt’s nur eine Wolke…

Treffpunkt ist wieder mal eine Tankstelle auf der A13, zum Glück ist der 2. Teil der Mannschaft noch nicht da, so bleibt Zeit sich mit Kaffee und Cola zu versorgen. Aber bald sind wir vollzählig und können starten. Nach Autobahnabfahrten die wir nur gerade-noch erwischt haben, und Kirchgängern die uns den Weg weisen, finden wir doch unseren heutigen Ausgangspunkt.

Die Diskussion ob wir die ersten 300 Hm treten oder gleich schon tragen erweist sich als sinnlos, weil wir den Fahrweg eh nicht finden. Das bedeutet für uns 1500 Hm Radl tragen und schieben. Naja, wers mag. Die erste Jausenstation lassen wir, zu Matzes Leidwesen, links liegen, in der Hoffnung in der Hütte am Gipfel die bessere Auswahl zu haben. Den Aufstieg verkürzt uns Stone mit Details über die geologischen Besonderheiten der Gegend. Das schwarze Zeug unter unseren Füßen ist Vulkangesstein erfahren wir, das schon 200-300 Millionen Jahren hier rumliegt. Beeindruckend.

Endlich haben wir die Gipfelhütte vor Augen, aber Tom bemerkt gleich die geschlossenen Fensterläden und ein Verdacht erhärtet sich. Die Wirtsleut haben den Betrieb für heuer schon dicht gemacht. Wären wir doch nur auf Matzes Vorschlag mit der Jausenstation eingegangen…

Am Gipfel selbst treffen wir auf skeptische Wanderer, die sich und uns fragen was man hier heroben mit einem Bike tut. Nachdem man ein bisserl von schon gemachten Touren erzählt, bekommen wir gleich ein paar Tipps zu hören, welche Berge denn noch befahrbar wären.

Der Gipfelaufbau hats dann gleich in sich. Schwieriges, felsiges Gelände, und jede Menge Zuschauer. Tom, Stone, Chris, Matze und Tobi nehmen die erste Hürde aber ganz locker. Danach kommt eine schnellere Passage über grasiges Almgelände. Bald schon nähern wir uns einem Abbruch und der steile Teil beginnt. Die Spitzkehrenaufkommen wird immer dichter und unglaublich, aber der ersten Geländekante folgt eine Zweite. Der Berg scheint einfach wegzubrechen. Trotzdem klemmt sich ein Steig in den Hang. Für manche unserer Zeitgenossen ist dieser sogar befahrbar. Die Landschaft in die unser Weg eingebettet ist, kann man nur als grandios bezeichnen. Das Wetter hält, nur die vorhergesagte Wolke macht den Fotografen das Leben schwer. Bei dieser Tour ist wieder mal sehr gut zu sehen, dass jeder der Fahrer seinen ganz eigenen Downhillstil entwickelt hat. Da ist der Tobi, er federt auf seinem Bike um die engsten Kurven und erinnert an eine Bergziege, wie er so ganz ruhig im Gelände steht und alle Zeit der Welt zu haben scheint bevor er wieder sein Hinterrad hebt und lässig um die Kurve zirkelt. Dann der Stone, der mit viel Technik und noch mehr Mut sich in jeden Abhang stürzt. Kein Wunder, dass der hin und wieder ein Zigaretterl braucht, um sein Adrenalin auf Normwert zu bringen. Der Tom, tja was soll ich da sagen, bei dem fliegen immer am meisten Steine durch die Luft. Sein Stil ist am Besten mit dynamisch zu beschreiben. Der Chris fährt mit viel Technik und scheint jede Stelle vorher genau analysiert zu haben, so dass er genau weiß wo er fahren muss. Der Matze fährt wie er ist, mit viel Humor und unerwarteten Tricks. Und meine Wenigkeit hat den Fahrstil zum Tragestil weiterentwickelt, aber warte nur du sch… Berg nächstes Jahr beherrsch ich die Kehren!

Durch den langen Aufstieg haben wir viel Zeit verloren. Tobi, auf den Frau, Kind und eine lange Heimfahrt warten, bekommts langsam eilig. Darum teilen wir uns auf. Die schnelle Gruppe: Matze, Chris und Tobi. Die gemütliche Gruppe: Tom, Stone und ich. Auch bei der Abfahrt merkt man die 1500 Hm, der Trail scheint kein Ende zu nehmen. Endlich erreichen wir dann doch eine Almhütte, bei der wir noch schnell was essen. Die Sonne ist schon beim Untergehen, als wir uns erneut auf die Bikes setzen und die letzten 300 Hm Abfahrt durch einen Wald genießen.

Das Kreuz mit dem Kreuz

„Ist schon (!?) halb sechs, aufstehn!“ spricht eine Männerstimme höflich aber bestimmt in den dunklen Raum. *RRUMMMS* bin ich wach. Wo bin ich? Gefangenenlager? Entführung? Nö, dafür lieg ich zu bequem und ich glaub da herrscht ein anderer Umgangston.
Langsam dämmerts mir: ach ja, ich hab ja beim Chris übernachtet. Werner und ich sind am Vorabend aus München bzw. Landsberg angereist, um die Anreise zum heutigen Tourziel zu verkürzen.
Schon wieder solls heute über 3000m gehen. Beste Wetteraussichten lassen mich trotz der unchristlichen Uhrzeit dann doch relativ schwungvoll ausm Bett gleiten.
Kaum angezogen und abmarschbereit, hört man draussen auch schon Maschtls Biking-Hiking-Diesel-Bus klackern. Wow, wie pünktlich der Maschtl sein kann wenn eine Knallertour wie die Heutige ansteht 😉
Schnell ist alles eingeladen und los geht’s. Ich schlafe noch bischen auf der Rückbank, Frühstück gibt’s später unterwegs frisch vom Bäcker.

Ganz schön frisch isses am Startort der Tour, auf 1800m. Ein paar fast ebene km haben wir zum einrollen, ehe Rad und Reiter die Rollen vertauschen. Etwas über 1300hm Tragen steht auf dem Programm, eigentlich eine lösbare Aufgabe … eigentlich.
Bis zur Hütte geht’s flott voran, immer mehr Kleidungsstücke wandern in den Rucksack und die Sonne treibt bald das letzte Frösteln aus den Gliedern.
An der Hütte dann eine gemütliche Pause, vielleicht etwas zu gemütlich und lang. Danach gehts bei mir nämlich irgendwie nur noch mit halber Kraft bergan … bleischwere Beine.
Weil alleine vor sich hinjammern langweilig und auf Dauer auch nervig ist, bin ich froh dass der Chris und ich uns wenigstens gegenseitig bemitleiden können. Beim Chris sinds nicht die Beine die lahmen, es ist das Kreuz bzw. die Schultern die schmerzen.
Kein Wunder eigentlich, bei DEM Gewicht dass er regelmäßig den Berg raufwuchtet! Bike 20kg, Rucksack mit aufwändiger Fotoausrüstung ca. 13kg, macht summa summarum 33kg!?

Dicken Respekt mal an der Stelle an alle Fotographen (und natürlich Filmer) unter den Bikebergsteigern. Ohne Euch gäbs kein großes Kino in Form von tollen Bildern bzw. Videos. Das Fotografieren scheint eine sehr fesselnde Faszination zu sein. Die meisten Fotografen mit denen ich schon unterwegs war, sehen die Stellenwertverteilung Biken/Fotografieren im Bereich 50:50! Das erklärt dann wohl auch warum man freiwillig ca. 5kg Mehrgewicht im Rucksack in Kauf nimmt…

Zurück zum Aufstieg: Ca.100hm unterm Gipfelkreuz holen wir Maschtl und Werner ein und dann schon wieder das „Kreuz mit dem Kreuz“: Mit Bike machts eigentlich wenig Sinn, aber Gipfelkreuze haben irgendwie doch eine magische Anziehungskraft. Maschtl und ich wuchten die Bikes also doch noch bis (fast) ganz hoch. Chris und Werner lassen die Bikes unterhalb der langen seilversicherten Stelle liegen.
Am Gipfelkreuz sind dann alle (Kreuz-)Schmerzen vergessen und wir genießen die sensationelle Kulisse. Unser Tourziel vom letzten Bericht können wir heute mal von der anderen Seite bewundern.
Erwartungsgemäß sind in den ersten Abfahrtsmetern nur einige wenige Passagen fahrbar, aber schon ein paar gemeisterte schwierige Stellen entlohnen dann irgendwie doch für die Extra-Schlepperei.
Ab Ende der Seilversicherung beginnt der Spaß dann richtig. Ein z.T. extrem verblocktes Gelände fordert uns und unserem Material alles ab. Die beste Passage des Tages ist ein Meer von riesigen Steinblöcken, durch das wir eine fahrbare (trialbare?) Linie entlang der Wegemarkierungen finden! Maschtl fährt sich hier einmal „fest“ und vollführt einen eleganten Bocksprung übern Lenker.
Wir haben für diese ersten ca. 200hm geschätzte 1,5h Stunden gebraucht! Filmen und Fotografieren kostet halt Zeit, aber es lohnt sich.

Im weiteren Verlauf wird der Weg etwas „flüssiger“, bleibt aber sehr spaßig. Nach Maschtls Stunteinlage im Blockfeld, lege ich nach: Ein superschöner weißer Quarzblock lädt Chris zum Bildermachen ein. Er sagt noch „mach irgendwas lustiges…“. Ich rolle auf den Stein und ziehe zum Wheelie hoch. Blöd wenn man just in diesem Moment keinen Druckpunkt an der Hinterradbremse findet… Arschlandung! 😉 Naja, wenigstens kann man mir nicht vorwerfen nichts „lustiges“ fabriziert zu haben und das senkrechte 90° Wheelie sieht auch spektakulär aus.

Den weiteren Weg bis zur Hütte fahren wir sehr flüssig (d.h. keine Bilder und Filme mehr), obwohl hier immer noch durchgehendes S3 Niveau angesagt ist. Eine Brotzeitpause an der Hütte fällt aus, zu lange Wartezeit aufs Essen. Jetzt gibt der Weg noch mal richtig Gas und schüttelt uns unsere Arme zu Brei. Immer wieder überlegen wir die Bikes zu schieben, um keinen Crash durch Übermüdung zu riskieren. Letztlich siegt aber doch bei allen die Lust die schwierigen Stellen zu knacken.
Endlich, die Forstpiste ist erreicht, wir habens geschafft. Ziemlich platt aber überglücklich fallen wir uns in die Arme ob dieser (mal wieder) sensationellen Tour.
Wenig später schon sitzen wir samt Maschtls Schwester Sonja und deren Freunden in einem griabigen Wirtshaus und verdrücken kohlenhydratreiche Kost. Prost!

Spontan und nicht geplant

Obwohl ja mein Lieblingsspruch „des kann jo lei an Deitschn einfolln“ war, passt „Spontan und nicht geplant“ ja auch als Titel für diese Tour.

Am Montagabend ein Mail (vielleicht auch 20 Mails) von Chris und Tobi und schon starten wir am Mittwochnachmittag Richtung Hütte. Was, wohin, wos brauch ma, schon wieder übernachten, aber mir ist das ja egal, nur die anderen zwei aus München haben eine längere Anreise als wir. Neben Chris (der hat schon wieder frei!) und mir, waren Tobi und Bernd mit dabei (den Tobi haben wir ja nur mitgenommen weil er mir noch 500 € schuldete :-)).

Tropische Hitze durch ein Dickicht machte uns am Anfang schon zu schaffen, doch Chris marschierte schnurstracks zur Hütte, denn wir mussten ja pünktlich um 8 zum Essen oben sein. Ha! Bis wir dann was zum essen hatten, war’s auch schon neun, aber die Schnitzel waren echt RIESIG, dann noch einen Kaiserschmarren hinterher und Biere und wir waren voll.

Am nächsten Morgen … schon wieder Schönwetter! Also der August heuer kann was, nach diesem Juni und Juli. Dafür war Chris‘ Magen nicht so gut, das kommt wohl vom vegetarischen Essen (hihi)! Er soll doch mal ein geiles Schnitzel probieren. Richtung Gipfel merkten dann auch noch unsere zwei Kollegen aus München dass das laufen über 3000m doch anstrengender ist, als auf 2000m (obwohl Tobi: Respekt! Er hatte bergauf nur seine Sandalen an → kaputte Ferse bei Gartenarbeit geholt!!).

Ich hab mir schon gedacht, es gibt hier heute eine Bergmesse bei den Menschenmassen und wir sind extra unter der Woche am weg! Wie sieht’s hier wohl am Wochenende aus? Aber Applaus am Gipfel hatten wir auch noch selten, da hat uns bei der Gratabfahrt vom Gipfel auch der Südtiroler mit seiner blöden Bemerkung nichts ausgemacht → „es hobts woll voll an Vogl, a solche Deppen, wos soll den der Blödsinn!“ blablabla … kurze Diskussion mit Chris und dann seine Aussage „des konn jo wohl lei Deitschn einfolln!“ Chris, du musst an deinem Dialekt arbeiten! (oder monche Südtiroler glauben immer noch, dass Innsbruck zu Deutschland gehört und Berlusconi ein guter Ministerpräsident ist!! :-))

Aber egal. Die Abfahrt war ein Hammer und lang, vielleicht für’n Chris ein wenig länger, der musste nochmals schnell zur Hütte laufen, denn dort hat er am Morgen seine Jacke vergessen und wir kamen nicht mehr wirklich bei der Hütte vorbei. Wo hatte er sie wohl vergessen? Ja im Klo halt! Wäääh!!

Am Ende hatten wir dann noch etwas Blockwerk im Dschungel, mit vollem Letten und waren dann doch froh aber überglücklich, wieder beim Auto zu sein. Geiler Tag und die Kondi nach dem dritten 3000er in drei Wochen mit dem Bike merkt man dann doch … gell Tobi? (Hihi)

Dicke Eier

Irgendwann musste der Titel ja kommen wobei auch „einfach mit vollem Speed“ passen würde…

Den Berg kenn ich eigentlich vom Klettern und aus meiner Kindheit und Chris meinte 2007 noch, das kann man nicht fahren, bis dann doch drei Verties mit dem Bike ganz oben am Gipfel standen.
Da ich immer noch ein kaputtes Knie hatte musste wieder eine Tour nur zum Tragen her. Und so kam es, dass wir (Chris, Matze, Felix und ich) uns an einem kalten, schönen Herbstmorgen mit Tobi am Parkplatz bei besagtem Berg trafen. Von Vorteil ist auch immer, wenn man einen anderen Weg bergauf wie bergab nimmt. Warum das so ist, würde eine zu lange Erklärung erfordern, es ist für uns einfach mal so. Den ersten Einblick auf den Gipfelaufbau bekamen wir am Grad und da wurde uns klar, das wird heute wohl nichts mehr mit dem Gipfel. Tja es ist Sonntag, schönes Herbstwetter, beliebter Berg…man braucht nicht mehr dazu sagen als selber Schuld. So ließen wir die Räder und zwei faule oder kranke Kollegen am letzten Gipfelaufschwung zurück und stiegen zu Fuß auf, um natürlich den Rest des Weges zu begutachten. Und?? Wir kommen zurück! Unter der Woche, bei weniger Wandererverkehr und Respekt hier mal an Georg und Beni für den Gipfelaufbau.

Nach getaner Arbeit (Fotos) ging es endlich zur Abfahrt und die war geil, genau unser Geschmack. Das Verhältnis mit den Wanderern wird ja auch immer besser, nur gibt es eben immer noch Ungläubige und Verständnislose, die sich über unseren Sport auslassen. Matze dokumentiert ja oft ungewollt diese Konfrontationen und eine davon im speziellen (die war echt sehr amüsant, vor allem Tobis letzte Aussage) gibt es live auf unserem neuen Video. Die Zeit rann durchs Filmen und Fotografieren nur so dahin wodurch auch die „Bergsteiger“ immer weniger wurden, wobei ich auch mal einen positiv Bergsteiger erwähnen muss, der selber Motocross fährt, immer neben uns her lief und für sich Fotos machte und es echt Spaß machte mit ihm zu quatschen. Dann kam die „Dicke Eier“ Stelle. Steiler Fels, mitten in den Latschen wo man vom Weg quer in den Felsen hinein fährt, dann 90° dreht und über die Felsplatte sehr steil hinunterrollt. Tobi zeigt es nach zwei Anfahrten vor (er war schon mal hier) und hatte grad und grad noch genug Schwung um in der Kurve nicht zu kippen. Also besser wäre da einfach viel mehr Schwung. Ich brauchte auch zwei Anläufe, um dann mit Vollem Speed hinein zu fahren und im richtigen Moment zu drehen. Danach war von mir nur mehr 10 Minuten breites Grinsen zu sehen. Adrenalin pur…Chris hat es dann auch zwei mal probiert, aber hatte einfach zu wenig „Dicke Eier“ und landete auf unserem Kameramann, zum Glück fast nichts passiert (Danke Matze). So könnte ich jetzt viele geile Stellen beschreiben, denn davon gab es dort massig. Nur ein deutsches Pärchen muss ich noch kurz erwähnen: Schwierige Stelle – lassen die zwei vorbei – er schimpft – sie ist begeistert – fahren im flowigen Teil wieder vorbei – er mault – sie ist begeistert – wir sind weg. Das Beste kommt aber noch, der Motocrosser hat die zwei dann auch noch überholt und mit ihnen über uns geredet, er maulte – sie war begeistert – Ehekrise!! Dieser Tag hat sich gelohnt. Bis auf das mit dem Flow, war wieder so eine Definitionssache.

Es war ein Traum Tag und der Berg sieht uns wieder, diesmal von ganz oben und mit gesundem Knie (hoff ich, denn jetzt muss ich erst mal operieren gehen)…