Schlagwort-Archive: Hüttenübernachtung

Dreitagestour!

Von Schönwetterperioden, Hüttenreservierungen und Klettersteigen!

Es ist wieder einmal soweit. Eine Dreitagestour steht an und der Wetterbericht sagt Superwetter voraus. Die Betten sind auch schon reserviert, telefonisch und online, und die Tour wurde auch schon aus den Landkarten herausgesucht. Mit von der Partie sind diesmal Reinhard, Ferdinand und ich. Die anderen Jungs haben leider keine Zeit, da sie eine Woche später in Richtung Frankreich unterwegs sind. Chris meint noch, dass er uns beneide bei dem Superwetter. Und so sitzen wir in Ferdinands „neuem“ Toyota und freuen uns auf die folgenden Tage.
Nach ca. 100Km Autofahrt parkt Ferdl das Auto und wir laden alle gut gelaunt die Bikes und die Rucksäcke aus. Ja, da ist schon das erste Problem. War mein Rucksack zuhause auch schon so schwer? Ich spüre meine Ar…. jetzt schon. Aber es wird nicht gejammert, also nichts wie rauf auf die Bikes und los geht’s. Laut meiner Erinnerung, ich war schon einmal vor 15 Jahren in der Gegend, ist es gar nicht so weit und auch nicht besonders steil. Ja, ja die Erinnerung. Jedenfalls treten wir an so manchem Wanderer vorbei in Richtung Hütte. Bei den Pausen überholten sie uns dann manchmal wieder. Die Landschaft in der wir uns so abrackern, erinnert Ferdl und mich sehr an Norwegen, glatte Felswände, hohe Wasserfälle und weiter oben Gletscher. Eindeutig unsere liebste Landschaftsform, Hochalpin eben. Über 2 Stunden nach unserer Abfahrt erreichen wir unsere heutige Herberge.

Hinein mit uns und schon genießen wir einen Kaffee mit Kuchen. Irgendwie habe ich das Gefühl meine Mitstreiter glauben das war es für heute. Bevor es aber weiter geht, wollen wir unser Zimmer beziehen um etwas Gepäck hier zu lassen. Und schon hören wir: „Auf Wintner haben wir aber nichts reserviert.“ „ Ich habe ganz sicher vor 2 Tagen angerufen!“ Kein Problem es ist noch genügend Platz. Kurz darauf schultern wir unsere Bikes wieder und es geht weiter Richtung Bergsee. Wir haben uns für heute kein fixes Ziel gesteckt, aber ich will so weit wie möglich hinauf. Laut Hüttenpersonal gibt es um 18:00 Abendessen da müssen wir wieder bei der Hütte sein. Der Steig führt uns über unzählige Steinplatten weiter nach oben. Möchte wissen, wer sich diese Arbeit angetan hat.

Für uns bedeutet es eine Menge Spaß und Flow. Ja Martin, Flow, des ist des mit a bisserle Gas :-)! Halt was ist das? Regentropfen! Wo ist das SUPERWETTER? Ok, ok, wir sind heute schon weiter gekommen, als ich gehofft habe, also umziehen und ab geht’s. Ferdl kann es schon gar nicht mehr erwarten. Hier oben sind die Wege genau nach seinem Geschmack und so rollt er schon mal los. Ich knipse noch schnell Fotos von ihm und Reinhard und dann folgen wir ihm. Keine 10 Minuten später rufe ich die beiden wieder zurück. Fotoshooting, aber Ferdl und Reinhard folgen brav meinen Anweisungen. Ja, es geht uns gut und wir fühlen uns wohl. Langsam trialen wir nach unten und immer wieder gibt es Stellen zum Probieren, fotografieren oder um Ferdl ein paar Tricks zu zeigen. Dem läuft es heute wirklich super. Viele von ihm gefahrene Stellen hätte er letztes Jahr nie versucht, geschweige denn überhaupt gefahren. Zum Glück hält das Wetter doch noch solange, bis wir unser Quartier erreichen.

Dort wird gerade das Abendessen serviert und wir freuen uns auf unser Menü. So lässt es sich leben, mit Bier und Essen auf der Terrasse sitzend, Blick Richtung Gletscher und nächster Tagesetappe. Kurze Zeit nach dem Essen treibt uns der Regen in die Hütte und somit in unser Zimmer- (chen – siehe Foto!). Nach einer ruhigen Nacht zeigt sich der zweite Tag von seiner schönsten Seite. Wolkenloser Himmel und Sonnenschein vom Feinsten. Gleich nach dem Frühstück geht es von der Hütte Richtung Süden weiter. Zunächst kann abwärts gefahren werden und dann wird zu Fuß über eine Gletschermoräne und auf die andere Seite des Tals gewechselt. Heute knacken wir die 3000 Meter Marke und wir freuen uns wirklich auf die Berg- und Biketour. Laut Landkarte ist beim Gipfelgrat ein versicherter Steig. Laut meiner Erinnerung ist es aber nicht so schwierig, denn wir sind damals im Frühjahr und bei Schnee über den Gipfel. Das habe ich auch Reinhard und Ferdl erzählt. Ja, ja die Erinnerung. Jedenfalls tragen wir unsere Bikes im Sonnenschein nach oben und strahlen mit dem Gletscher und dem Wetter um die Wette.

Alle 300Hm machen wir Pause um nicht am Zahnfleisch auf den Gipfel zu kommen, dass wäre hier oben auch nicht wirklich förderlich. Ein kleines Problem machen uns die Wanderer, die von oben oder auch von unten kommen. Alle sind äußerst freundlich und bestaunen unser Tun, aber mehr als einmal hören: „Ja, wollt ihr wirklich da oben drüber? Mit den Bikes? Da ist ja ein KLETTERSTEIG, da kommt ihr ja gar nicht rauf!“ Leichte Verunsicherung macht sich breit. Na gut, wenn es nicht geht, fahren wir halt auf dieser Seite wieder runter. Also kein Problem und kurze Zeit später ist auch schon die erste versicherte Stelle vor uns. Alles geht glatt und die Bilder schauen auch hammermäßig aus.
Die Landschaft wird immer besser und unser Gipfel kommt langsam näher. Und somit auch der „Klettersteig“. Ich bin als erster beim Einstieg und kann von unten erkennen, dass es sich doch um einen versicherten Steig handelt, allerdings mit wenig Platz und einer Traube Leute mittendrin. 10 Minuten warte ich und es bewegt sich nichts. Also gehe ich los und erreiche die Traube immer noch am gleichen Fleck. 2 Franzosen im fortgeschrittenen Alter haben kleine Probleme beim Abstieg, doch zum Glück geht alles gut und kurz danach erreichen wir drei den Gipfel.

Die Belohnung für unsere Mühen ist eindeutig die Aussicht auf die umliegenden 3000-er. Wir sind wirklich überwältigt, aber langsam müssen wir wieder nach unten. Also auf, auf Jungs, zu unseren Bikes, die etwas unter dem Gipfel liegen. Am Anfang geht nicht wirklich viel, zu unwegsam ist das Gelände. Aber uns ist das egal, nur nicht zu viel herausfordern. Ab dem Zeitpunkt wo wir das erste mal am Bike sitzen können, geht die Post ab. Ja so soll es sein, schwierige Passagen wechseln mit schnellen, Fotostellen on Mass und natürlich werden auch genügend Fotos gemacht.

Dann kommen wir zur Hütte und irgendwie haben wir ein Déjà-vu. „Auf Wintner haben wir aber keine Reservierung!“ „Ich habe aber online reserviert, auf ihrer Homepage!“ Doch es sind Plätze frei, ich gehe, meine Freunde kaufen noch Duschmünzen. „Und nehmt für euren Kollegen auch eine mit“, meint die Hüttenwirtin. Muß ich wirklich? Und ich kann euch sagen, es ist herrlich. Das Weizen danach schmeckt viel besser ohne komischen Geruch in der Nase. Nach dem Abendessen resümieren wir den heutigen Tag und sind einfach nur zufrieden.

Der nächste Morgen bringt wieder Sonnenschein und wir freuen uns schon auf die Abfahrt. Diese Abfahrt ist laut Chris anstrengender als die gerade mal 400Hm vermuten lassen. Also gehen wir die Sache langsam an. Das ist sowieso besser, bei der Kulisse im Hintergrund muss ich einfach Fotos machen. Ferdl und Reinhard sind echt arm, bei jeder fotogenen Stelle müssen die beiden zurück und dieselbe Stelle noch einmal fahren. Aber sie machen es gerne und so arbeiten wir uns langsam nach unten. Und Chris hatte recht, der Weg ist echt hart. Stufen, Spitzkehren, Felsplatten und dazwischen immer wieder feuchte Erde, damit das ganze ein bisschen rutschig wird. Als wir nach drei Stunden im Tal ankommen sind wir total fertig. Jetzt brauchen wir echt eine Pause und so treten wir den Stausee entlang um auf der anderen Seite zu jausnen.

Wir sitzen gemütlich auf einer Bank und besprechen was wir weiter machen. Ferdl und ich wollen noch auf eine Hütte, aber Reinhard hat keine Lust mehr und wird hier auf uns warten. Also machen wir uns zu zweit auf dem Weg, um wieder aufzusteigen. Um Reinhard nicht zu lange warten zu lassen, sprinten wir förmlich nach oben, sofern man mit 25-30Kg am Rücken „sprinten“ kann. Aber wir schaffen es auf die Hütte und sehen von dort ein Gewitter bei dem Berg, an dem wir einen Tag zuvor zur selben Zeit gesessen sind. Glück gehabt! Schnell was essen und dann geht es schon wieder nach unten. Ferdl ist heute der Shootingstar und ist deswegen schon ganz nervös. Die halbe Terrasse sieht bei unserem Start zu. Ferdl fährt souverän die erste Passage, bis wir aus dem Blickfeld der Terrassensitzer verschwinden.Viele Pausen erlauben wir uns nicht, doch ab und zu müssen wir stehen bleiben. Der Weg ist im oberen Teil relativ flüssig, aber je weiter wir nach unten kommen umso anstrengender wird er.

Als wir nach insgesamt 3 Stunden zum Stausee kommen, haben wir echt genug. Wir treffen Reini gemütlich auf einer Bank liegend, ziehen uns noch etwas Trockenes an und rollen auf der Straße bis zu „unserem“ Auto. Bei einem Bierchen lassen wir die letzten drei Tage noch einmal Revue passieren und danach fahren wir zufrieden über das Erreichte nach Hause.

Echte Biking-Hiking Tour!

Heute und morgen sind wir wieder einmal zu dritt unterwegs. Elisa, Martin und ich sitzen in Martins Bus und freuen uns schon auf die nächsten 2 Tage. Nach ca. 1 Stunde Fahrt steigen wir bei strahlendem Sonnenschein aus und bereiten uns auf den Aufstieg vor. Noch ein letztes Foto im Tal und schon treten wir los. Schön gemütlich denn heute geht es nämlich nur zur Hütte, auf der wir schlafen wollen. Kurz nach unserer Abfahrt überholt uns ein Auto und bleibt vor uns stehen.


Mein erster Gedanke war: Jetzt gibt es an Zsammenschiss, stattdessen bietet uns der Fahrer an, unser Gepäck mitzunehmen. Natürlich nehmen wir das Angebot gerne an und treten danach erleichtert (Im wahrsten Sinn des Wortes) weiter. Auf der Hütte angekommen, weist uns der Hüttenwirt einen Platz im Winterraum zu. Danach gibt es Essen und auf der Terrasse ein gemütliches Bierchen. Am nächsten Morgen wird sofort nach dem Frühstück gestartet und es geht, nach einem kurzen Flachstück, gleich steil nach oben.

Martin kennt den untersten Teil der Tour schon, aber trotzdem sind wir alle drei von der Bergkulisse, die zu uns herunter lacht, beeindruckt. Langsam kommen wir aus dem kühlen Schatten heraus und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Ein Päuschen wird eingelegt, ein Riegel verspeist und schon geht es weiter, immerhin wollen wir heute auf knapp 3500 Meter hinauf. Auf einer alten Gletschermoräne gelangen wir mitten in die Welt der Gletscher, die wir faszinierend bewundern.

An diesem Punkt trennen wir uns von unseren geliebten Bikes und gehen das letzte Stück über Blockwerk zum Gipfel. Klingt eigentlich ganz kurz, aber ich kann euch nur empfehlen den anderen Aufstieg zu nehmen. Verdammt ist des sche..lang und voll in der Sonne. Noch dazu kommen Bergsteiger, die beim Abwärtsgehen ganze Steinlawinen mit kopfgroßen Steinen auslösen. Ich kann euch sagen, wir sind froh, den Gipfel ohne irgendwelche Blessuren erreicht zu haben. Nach der Gipfelrast trennen sich unsere Wege, Elisa steigt auf der Westseite ab, Maschtl und ich gehen über unseren Aufstieg zurück zu unseren Bikes.

Zuerst glauben wir nicht wirklich, dass man hier heroben fahren kann und so probieren wir abschnittweise nur herum und fotografieren ein bisschen. Aber dann kommt der Punkt wo alles fahrbar ist und dann taugt´s uns so richtig. Allerdings merkt man die Höhe und so kommen wir ordentlich ins schnaufen. Langsam arbeiten wir uns abwärts bis zu dem Punkt, an dem wir Elisa und auch Aleksandra und Chris treffen. Die Beiden waren bis gestern in der Toskana und sind uns heute noch schnell nachgefahren.

Also hinunter zur Hütte, um unsere trockenen Kehlen zu befeuchten. Aber so schnell geht das dann doch nicht, denn so langsam muss ich der anstrengenden Bergtour Tribut zollen. Das merkt man spätestens nach meinem Überschlag, der zum Glück ohne Folgen bleibt. Trotz allem erreichen wir am Abend unbeschadet Martins Bus und sind froh, einen so geilen Tag erlebt zu haben.

High noon oder 3×12

Es ist wieder mal Samstag, aber nicht wie sonst fünf Uhr morgens, sondern zwölf Uhr Mittag. Genau die richtige Zeit sich für eine Tour zu treffen. Tom und ich fahren gemeinsam, Chris und Felix fahren bei Stone mit. Wir sind ein wenig früher am Ausgangspunkt und kurbeln schon los, nur um wenig später von einem Linienbus auf der Schotterstraße überholt zu werden, aus dessem Fenster sich Felix beugt und hophophop ruft. Die 500 Höhenmeter mehr sind für Tom und mich ein fast surreales Erlebnis. In der Mittagshitze werden die Fichten, vor unseren geistigen Augen, zu Kakteen, die unschuldigen Waldameisen zu Skorpionen, und unsere Bikeschuhe zu Schlangenlederstiefel. Das gefühlte Tempo ist ziemlich hoch, und am ersten Etappenziel gibt’s frisches Wasser. Die Kakteen, Skorpione und leider auch die Stiefel verschwinden. Wir sehen die Vorhut, ihre Bikes ein paarhundert Meter höher, über leicht bewaldete Almhänge tragen. Wir zögern nicht lange, und folgen ihnen. Anfangs geht’s über Wiesen mäßig steil dahin. Es ist immer noch sch…heiß, und kein Lüftchen bläst. Unterwegs treffen wir heute einige untypische Jäger. Erst ein Pärchen mit riesigen Schmetterlingsnetzen, aber ohne Jagdschein, und später einen Angler der uns stolz seinen Fang aus dem Bergsee zeigt. Er versichert glaubhaft die kaum zehn Zentimeter langen Fische nicht zu essen, sondern im eigenen Teich einzusetzen. Die Umgebung verändert sich, bald umgeben uns statt Wiesen, Geröllfelder.

Über große Platten geht’s der Himmelsleiter entgegen. Eine Stiege aus Steinblöcken. Wir können uns nicht vorstellen, wie die gebaut wurde. Dafür spüren wir was es heißt, die gut fünfundzwanzig Kilo auf unserem Rücken, bei jedem Schritt hochzuhieven. Hat das was mit Kondition zu tun, oder nur mehr mit Leidensfähigkeit? Egal, irgendwann sehen wir die Hütte und kurz darauf sitzen wir auf der 3200m hoch gelegenen Terrasse bei einem Bier, und blinzeln in den Sonnenuntergang. Später übersiedeln wir in die Gaststube, und Stone versucht kurz nach 22:00 noch ein Bier zu bekommen, was so klingt: „Moa kannt i no a kloans Bier hobn?“ Darauf der Wirt „Ja ehh klar“ und Stone schon etwas selbstsicherer „Boa, konn i donn a a großes hobn?“ Das ging so weiter, bis um 2:00 hab ich mir sagen lassen, ich war schon um 24:00 im Lager.

Am Morgen danach sind einige von uns nicht ganz so fit. Bei wolkenlosem Himmel, geht’s auf einem unbekannten Weg bergab. Zuerst über zerklüftete Felsen, und ruppige Steine. Hier entstehen schon ziemlich viele Fotos, das sind die mit dem Gletscher im Hintergrund. Die nächste Passage ist sehr steil und bietet ein paar knifflige Stellen. Über Felsbänder und um enge Kurven geht’s abwärts, wobei das mit dem es-geht-abwärts ist relativ. Nach drei Stunden haben wir schon fast 250!! Höhenmeter geschafft. Es wird zum dritten Mal 12:00 auf dieser Tour, und pünktlich zum höchsten Sonnenstand, geht mir das Trinkwasser aus. Zum Glück seh ich gar nicht weit unter uns einen klaren Bergsee. Nur Felix fährt am nächsten Abschnitt, der aus wirklich groben, wild übereinander liegenden Gneis-Brocken besteht. Doch bei der Platte die im Anschluss auftaucht sind alle wieder begeistert. Nach vielen Serpentinen, und noch mehr Schweißtropfen sind wir endlich am See. Das Rennen um den ersten Kopfsprung ins kühle Nass gewinnt Tom, und nur Sekunden später sind fast alle im Wasser. Nur, wie schon vorher bemerkt, sind einige heute leicht angeschlagen, und ziehen ein ruhiges Platzerl am Felsen vor.

Danach geht’s weiter über steile Hänge, bis wir in den Wald eintauchen, der uns auf einer Lichtung inklusive Almhütte wieder ausspuckt. Da werden die Flüssigkeitsreserven aufgefüllt. Jetzt wird der Weg richtig feucht und schlammig. Durch den Wald geht’s dann ein bisserl tiefer runter als der Ausgangspunkt war, was für Felix und mich bedeutet, dass wir nochmal 100 Meter bergwärts müssen, um die Autos zu holen. Am Schluss sind sich alle einig, das war wieder mal eine sensationelle Tour.

Die goldene BikeHiker Nadel

Heftigste Entzugserscheinungen quälten mich Ende September. Fast drei Wochen war ich keine Tour mehr mit dem Bike gefahren. Ein 8-tägiger Italienurlaub vom 19.9. bis 26.9. trug nach den ganzen 3000er Hochtouren zwar zur Erholung sämtlicher Muskeln und Knochen bei, schaffte aber gleichzeitig eine große Unruhe in mir. Ständig war ich am kopfen, was die Jungs daheim wohl zur Zeit reißen und welche Gipfel da schon wieder geknackt werden. Zum Glück hatte ich mir „zur Erholung“ vom Italienurlaub noch den Montag und Dienstag frei genommen. Und nochmals zum Glück, war da schönstes Herbstwetter vorhergesagt! Nach einigen Diskussionen (wir hatten ja noch sehr viel vor dieses Jahr) durfte Felix entscheiden, wohin es die beiden Tage gehen soll. Mir war’s schließlich wurscht, Hauptsache ein Schuß Bikebergsteigen intravenös und zwar sofort, damit diese Qualen endlich ein Ende fanden! Felix entschied sich für das Gebiet der Bleichen Berge. Ein Gipfel, den wir nun auch schon seit 2 Jahren im Visier hatten und der in einem Tag wohl nur mit sehr viel Ergeiz und Kondition zu machen ist. Bedeutete für Stone und mich: die 5. Hüttenübernachtung innerhalb von 2 Monaten. Und genau das brachte uns dann auch scherzhaft auf die Idee mit der BikeHiker Nadel. „Die goldene soll der bekommen, der mindestens 5 Hüttenübernachtungen und 4 Gipfel über 3000 Meter mit dem Bike pro Saison geschafft hat“, wurde vorgeschlagen. Das würde auf Stone und mich zutreffen, doch dann waren wir uns alle einig, dass die goldene BikeHiker Nadel heuer an Stone allein gehen soll. Wer auch immer grad Zeit oder Lust hatte musste herhalten, um mit Stone eine weitere Tour zu fahren und noch eine und noch eine und noch eine…

Um den Kommerz ein wenig anzuheizen (und weil in Tirol ja schließlich alles vermarktet wird) hatten wir dann auch gleich weitere Ideen: für 200,- Euro bekommt jeder automatisch die goldene Nadel plus BikeHiker Kalender, für 300,- Euro gibt’s ein Gipfelfoto vom Berg nach Wahl mit Bike dazu (ob der-/diejenige oben war oder nicht – das bringen wir schon irgendwie hin) und für 500,- Euro darf fürs Gipfelfoto auch ein 3000er ausgewählt werden. Ja ja, an uns sind echte marketing Strategen verloren gegangen… 😎

Doch zurück zur Tour: An Tag 1 gings wieder mal von der Haustüre aus los. Weit aufi, weit hinten oi, noch weiter aussi und dann noch viel weiter wieder eini. Hab ich jetzt schon zuviel verraten? Immer diese Verschleierung! Auf alle Fälle war ich bei der Hüttenankunft um 19:30 Uhr absolut streichfähig. Ich war schon ersthaft am überlegen, welches Fleischgericht ich hinunterwürgen werde müssen, wenn ich nichts vegetarisches mehr bekomme (so weit kam es aber zum Glück nicht, Nudeln mit Tomatensugo gibt’s dann doch überall)! Doch offensichtlich war ich nicht der einzige mit großem Hunger. Die Kellnerin hat’s gar nicht mehr geglaubt als wir bestellten! Stone gleich 2 Hauptspeisen, alle haben große Portionen verlangt und als wir erfuhren, dass auch Sachertorte mit Schlag auf der Speisekarte stand, flippten wir komplett aus. Die musste natürlich als Nachspeise samt Kaffee noch her. Die Kellnerin hatte jedenfalls große Freude mit uns und meinte: “schön wenn man so einfach Menschen glücklich machen kann“. Irgendwann waren wir dann aber doch satt und um 22:20 im Lager. Da Felix nicht Latinern wollte, gab’s diemal auch keine Pummerln, denn zu dritt haben Stone Matze und ich geschnellt und nicht gewattet.

Die Nacht dann schon wieder ein Horror (so wie hier und hier und hier). Schon wieder ein Schnarcher! Stone war der Ansicht, dass ich es war der schnarchte und hat mich jedesmal wenn ich eingeschlafen war wieder wachgerüttelt. Am nächsten Morgen stellte sich dann raus, dass ich mich ziemlich verkühlt hatte, die Nase zu war, der Hals schmerzte und kurz überlegte ich sogar, ob ich die Forststraße hinausrollen und den direkten Weg nach Hause nehmen sollte. Doch das Wetter, die Schönheit der Natur und im Bewusstsein, dass ich diesen Berg nun endlich vor mir hatte, entschied ich mich für den langen Weg. 1000HM später kam die Belohnung in Form einer Bergkulisse die ihresgleichen sucht (siehe Fotos und letztes Kapitel unseres neuen Films). Bei der Abfahrt, die mit 100Hm seilversichertem, unfahrbaren Steig begann, war dann der Hals und die Nase vergessen und erst nach den vielen Traum Fahrpassagen, den langen Schotterreisen, viel Gelächter, Film- und Fotopausen und einem langen Weg retour zum Bahnhof kamen die Leiden zurück. Im Zug retour nach Innsbruck, als Adrenalinspiegel und Puls wieder auf Normalwerte sanken, fühlte ich mich dann richtig krank und abends kam dann Fieber dazu. Die restliche Woche lag ich krank im Bett, doch mit dem zufriedenen Gefühl an diesen unglaublich schönen 2 Tagen dabei gewesen zu sein.

Maschtl, jetzt wo schon Dezember ist, müssen wir Dir (zumindest symbolisch) echt mal die goldene BikeHiker Nadel verleihen. Gratuliere!! 🙂

Spontan und nicht geplant

Obwohl ja mein Lieblingsspruch „des kann jo lei an Deitschn einfolln“ war, passt „Spontan und nicht geplant“ ja auch als Titel für diese Tour.

Am Montagabend ein Mail (vielleicht auch 20 Mails) von Chris und Tobi und schon starten wir am Mittwochnachmittag Richtung Hütte. Was, wohin, wos brauch ma, schon wieder übernachten, aber mir ist das ja egal, nur die anderen zwei aus München haben eine längere Anreise als wir. Neben Chris (der hat schon wieder frei!) und mir, waren Tobi und Bernd mit dabei (den Tobi haben wir ja nur mitgenommen weil er mir noch 500 € schuldete :-)).

Tropische Hitze durch ein Dickicht machte uns am Anfang schon zu schaffen, doch Chris marschierte schnurstracks zur Hütte, denn wir mussten ja pünktlich um 8 zum Essen oben sein. Ha! Bis wir dann was zum essen hatten, war’s auch schon neun, aber die Schnitzel waren echt RIESIG, dann noch einen Kaiserschmarren hinterher und Biere und wir waren voll.

Am nächsten Morgen … schon wieder Schönwetter! Also der August heuer kann was, nach diesem Juni und Juli. Dafür war Chris‘ Magen nicht so gut, das kommt wohl vom vegetarischen Essen (hihi)! Er soll doch mal ein geiles Schnitzel probieren. Richtung Gipfel merkten dann auch noch unsere zwei Kollegen aus München dass das laufen über 3000m doch anstrengender ist, als auf 2000m (obwohl Tobi: Respekt! Er hatte bergauf nur seine Sandalen an → kaputte Ferse bei Gartenarbeit geholt!!).

Ich hab mir schon gedacht, es gibt hier heute eine Bergmesse bei den Menschenmassen und wir sind extra unter der Woche am weg! Wie sieht’s hier wohl am Wochenende aus? Aber Applaus am Gipfel hatten wir auch noch selten, da hat uns bei der Gratabfahrt vom Gipfel auch der Südtiroler mit seiner blöden Bemerkung nichts ausgemacht → „es hobts woll voll an Vogl, a solche Deppen, wos soll den der Blödsinn!“ blablabla … kurze Diskussion mit Chris und dann seine Aussage „des konn jo wohl lei Deitschn einfolln!“ Chris, du musst an deinem Dialekt arbeiten! (oder monche Südtiroler glauben immer noch, dass Innsbruck zu Deutschland gehört und Berlusconi ein guter Ministerpräsident ist!! :-))

Aber egal. Die Abfahrt war ein Hammer und lang, vielleicht für’n Chris ein wenig länger, der musste nochmals schnell zur Hütte laufen, denn dort hat er am Morgen seine Jacke vergessen und wir kamen nicht mehr wirklich bei der Hütte vorbei. Wo hatte er sie wohl vergessen? Ja im Klo halt! Wäääh!!

Am Ende hatten wir dann noch etwas Blockwerk im Dschungel, mit vollem Letten und waren dann doch froh aber überglücklich, wieder beim Auto zu sein. Geiler Tag und die Kondi nach dem dritten 3000er in drei Wochen mit dem Bike merkt man dann doch … gell Tobi? (Hihi)

Fahrräder abstellen verboten!

Es ist wieder einmal soweit. Wir (Chris, Maschtl und meine Wenigkeit) brechen zu einer Hochtour auf. Die Idee dazu kam mir vor 2 Wochen, als ich mit meiner Familie den Weg das erste Mal unter den Schuhen hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für meine Frau (ganz ungewohnt, wenn es nicht mehr die Freundin ist 🙂 ) ziemlich anstrengend ist, zusammen mit mir auf den Berg zu gehen. Das ständige: „Ist des a geiler Weg, der gangat ja super zum obiblatt‘ln“, oder: „De Stell schaugt a voll lässig aus, des gangat sicher“ – kann einem ganz sicher irgendwann den Nerv ziehen. Jedenfalls war ich mir nach jenem Wochenende sicher, dass wir da noch einmal rauf müssen und zwar mit den Bikes.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass nicht nur die Landschaft, sondern auch die Hütte mit der ganzen Belegschaft ein dickes Lob verdienen. Unsere Kinder wollten gar nicht mehr hinunter ins Tal und wir mussten ihnen versprechen, dass wir wieder einmal hier übernachten und dann nicht nur für eine Nacht.

18 Uhr 50 jetzt heißt es aber beeilen, nicht dass wir womöglich kein Abendessen mehr bekommen. Also flux die Bikes geschultert und ab durch die Mitte.
Außer Atem, nassgeschwitzt stehe ich 70 Minuten und 700Hm später am Tresen und melde uns für die Nacht an. „Ja hallo! Warsch du nit jetzt vor kurzem da heroben mit der Familie?“ Das nenne ich eine Begrüßung. Schnell das Lager checken, Essen bestellen und dann mit dem Weizenbier vor die Tür, um in Ruhe Speis und Trank zu genießen. Auch das Kartenspiel kommt diesmal wieder nicht zu kurz und so spielen wir mit Julia (einer Aushilfe auf der Hütte) bis kurz vor Mitternacht (die anderen Gäste schlafen schon – ja so geht es auch!) eine Partie nach der anderen. Chris und ich bekommen 3 Knödel :-(.

Um sieben stehen wir auf. Shit wir hatten den Wecker eigentlich auf 6 Uhr eingestellt und wollten schon am Weg sein. Schnell frühstücken und dann geht es ab. Der Hüttenwirt gibt uns noch eine Aufgabe mit auf dem Weg: Der Wegwart hat nämlich spaßhalber auf ca. 2700 Meter das Schild„Fahrräder abstellen verboten!“ montiert und meinte, dass hier sowieso nie jemand mit einem Bike fahren würde. Das Foto ist jedenfalls im Kasten und demnächst auf dem Weg zum Hüttenwirt.

Eine Stunde nach Mittag stehen wir auf dem Gipfel und sind wieder einmal von der Natur überwältigt. Martin ist schon etwas nervös, denn er weiß dass oft am Nachmittag ganz ganz böse Wolken kommen und das Filmen erschweren. Immer diese Regisseure, stressen rum ohne Grund. Aber er hat recht. Es ist ein weiter Weg von 3200 Meter auf ca. 1600 Meter und gefilmt bzw. fotografiert wird sicher auch noch auf Teufel komm raus. Also zurück zu den Bikes, die Schützer angezogen und los geht’s. Ein bisschen Respekt haben wir schon vor der Abfahrt. Es ist wieder einmal alles dabei. Von Felspartien, über Geröllfelder mit Kopfgroßen Steinen, bis zu steilen, verwinkelten Trialstellen und das alles im absolut hochalpinen Gelände. Meter um Meter suchen wir uns den besten Weg hinunter ins Tal und immer wieder hört man Jubelschreie, wenn etwas besonders gut gefahren wurde. Unterbrochen von Film-, Foto- und Schwimmpausen erreichen wir Stunden später wieder den Ausgangspunkt von heute Morgen. Es wird fast schon zur Gewohnheit, dass die Bikes bestaunt werden und wir die üblichen Fragen beantworten, was alles fahrbar ist, wo man schon überall war und so weiter. Aber es ist immer wieder nett, dass soviele Wanderer unser Hobby respektieren und uns gegenüber wohlwollend sind. Im Endeffekt genießen wir ja alle nur die Natur und die Bewegung.

So, jetzt ist es aber soweit. Die letzten Höhenmeter liegen vor uns. Dieser Teil wird sicher absolut flowig. Und nachdem der Weg weit voraus einsehbar ist, lassen wir es so richtig krachen. Wenig später rollen wir erschöpft zum Biking-Hiking Bus.

Immer wieder diese Schlußsätze…
Oft werde ich gefragt, warum man sich das alles antut, das Bike und den Rucksack mit insgesamt 35 Kilogramm Gewicht den Berg hochzutragen und dann solch schwierige Wege herunter zu fahren.
Erklären kann man das nicht so einfach. Es ist vielleicht das Gefühl das sich im Körper nach jeder Tour ausbreitet. Eine Mischung aus Zufriedenheit, Stolz und Genugtuung eine Tour mit Hilfe von Landkarten und anderen technischen Raffinessen im Internet herauszusuchen und diese mit guten Freunden einen Tag lang zu genießen.