Archiv des Autors: Bernd Bauer

Von Tourentipps, Elefanten und Ameisen

Eingangs sei erwähnt, dass wir auf Grund der stark differierenden konditionellen Konstitution den Abstand vergleichbar der einer Elefantenherde mit mehreren Muttertieren und Kälbern mehr als gesetzeskonform eingehalten haben. Das trifft zumindest auf mich zu. Beine schwer wie Blei an diesem kitschig schönen Wintertag. Aber auch sonst sind wir zum Zeitpunkt dieser Tour entsprechend zu der Zeit geltender Verordnungen unterwegs.


Ich bin etwas zu früh am vereinbarten Treffpunkt und genieße die Sonnenstrahlen die mich direkt anlachen. Weniger zu lachen haben wohl alle Automobilisten, die teils die dritte Runde drehen auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz. Eigenartig – hier ist normalerweise weit weniger los. Es wird sich im Laufe des Aufstieges herausstellen warum dem so war.

Getreu dem Motto „Reden muss immer noch möglich sein“ strampeln wir gemütlich stets bergauf. 2Kind-Tom mit neuem Bike und voller Motivation lässt sich auch dort, wo wir im Gatsch doch schon schieben nicht aufhalten und beißt durch. Den folgenden Forstweg fahren wir, wie eingangs erwähnt, vorbildlich in Kleinstgruppen weiter. Eine Kehre, eine Bank, eine Pause. Das Wetter ist unbeschreiblich gut – nie und nimmer würde man beim Anblick dieser Bilder denken, dass wir doch eigentlich schon fast Winter haben.

Auf geht´s – Bikes geschultert und den Steig entlang. Eigenartig – uns ist der Weg bekannt – und zwar als einer, auf dem sonst kaum ein anderer Naturliebhaber anzutreffen ist. Aber heute wieseln heute so viele Menschen wie Ameisen herum. Nach einem angeregten Gespräch mit einem Wanderer wird klar warum wir heute doch oft ins Gespräch kommen. Unser Ziel war unlängst als Tourentipp publiziert worden. Gut eine dreiviertel Stunde später haben wir unser Ziel erreicht. Auch auf dem Plateau strahlt uns die Sonne an. Wir jausnen, diskutieren über das unvermeidlich allgegenwärtige Thema, besinnen uns aber rasch wieder auf das was das Leben für uns schöner macht und lassen uns (bitte verzeiht mir, dass ich das Wort in den Mund nehme) Covid für eine Zeit lang vergessen. Eine flowige Abfahrt mit verwinkelten Kurven, kleinen Jumps und schwungvoll fahrbaren Spitzkehren liegt vor uns bzw. unter unseren Reifen. Ein Genuss für alle Sinne. Ich würde hier gerne 2Kind-Tom zitieren, aber aus „Jugendschutzgründen“ ist mir diese leider nicht möglich. (Danke Tom für den Kommentar, der mir immer noch ein Grinsen beschert, wenn ich daran denke) 😊

In diesem Sinne – genießt mit uns die Fotos und lasst uns Negatives zumindest für einen Moment vergessen.

Erogene Pulszonen

„He Bernd, nur kurz. Hast am Donnerstag Zeit für eine Tour? Ferdl ist mit dabei. Vielleicht ab Mittag Zeitausgleich? Sag Bescheid. Wir hören uns.“ Tom hat es kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Es wäre Zeit für eine Tour.
Donnerstag, Regen, Gewitter, Donner aber laut Prognose soll es ja besser werden. Nach einem Telefonat ist klar, wir sehen wieder eine Tour den Gully runter laufen. Aber Ferdl ist zuversichtlich, er sieht im wahrsten Sinne des Wortes Licht am Ende der Wolken. Gut – wir versuchen es. Trocken starten und dann nass werden wäre uns egal.
Tom holt mich ab – zugleich ein Beladungs-Test meines Heckträgers mit ausgewachsenen Bikes. Naja – hier sollten die Hersteller doch mal über weitere Schienenabstände nachdenken. Aber die Bikes sind fixiert und wir machen uns auf den Weg um Ferdl noch aufzunehmen. Von da an sind es noch rund 20 Minuten zum Ausgangspunkt der heutigen Tour. Die Fahrt ist kurzweilig mit typischen Männergesprächen über neue und alte Autos. Ungläubig beobachten wir nebenbei den immer weiter aufklarenden Himmel, der uns eine ausichtstreiche Tour bescheren wird.

Auf rund 1.700m geht es heute los. Noch immer den Augen kaum trauend, nach dem Gewitter heute Vormittag, starten wir mit geschulterten Bikes über trockene Wiesen und Steinstufen bergwärts. Diese versprechen jetzt schon ein spaßiges Ende der heutigen Tour.
Schnell wird uns aber klar, es ist lange her, dass wir getragen haben. Aber wie immer in einem Tempo bei dem wir nebenbei noch über alles Mögliche quatschen und philosophieren können, machen wir Meter um Meter gut. Vorbei an kristallklaren Bergseen, über Steintreppen, sanfte Hügel und wieder fordernde Anstiege kommen wir unserem heutigen Ziel rasch näher. Die Pause auf dem Plateau kurz unter dem Gipfelkreuz offenbart einen Talblick …. Seht selbst!

Und da ihr euch sicher schon die ganze Zeit fragt – wie kommt er denn auf den Titel. Ganz einfach – Pulsuhren sind ein Thema über das wir uns unterhalten, nachdem wir wie schon beschrieben das Tragen nicht mehr gewohnt sind und die Anstrengung eindeutig ablesbar ist. Tom aber treibt es auf die Spitze, er ist den größten Teil der Zeit, ich zitiere: „im erogenen Pulsbereich“ – vermutlich ein sauerstoffbemangelter, neurologischer Kurzschluss, oder einfach ein freudscher Versprecher – aber der hat gesessen und darf nun die Titelzeile dieses Berichts sein.
Vor uns dann das Gipfelkreuz – endlich wieder mal ein Gipfel mit Bike. 800hm Aufstieg sind augenblicklich vergessen. Ein Moment in dem – ich denke, ich spreche nicht nur für mich –man alles um sich herum vergisst und genießt.

Kaum haben wir unseren Hunger gestillt, den Durst gelöscht hören Ferdl und ich schon die gewohnten Befehle: Stellt euch mal da hin, nein dort, nochmal, eins noch, oder doch noch eins …Soll heißen – es gibt wieder mal Fotos und eben diesen Bericht dazu. Nach der Gipfelabfahrt der erste Stopp. Einmal neue Bremsbeläge bitte. Dann, nach erster Spitzkehre, geht`s flowig talwärts. Ein Genuss für alle Sinne und ein lässiges Einfahren für die anspruchsvolleren Passagen.
Die Kante entlang und dann über den Felshinunter. Der Kopf sagt nein, das Herz sagt jaaaaa.
Im Anschluss schütteln uns die Treppen durch und mit Schwung geht es weiter auf den nächsten flowigen Abschnitt, den ich so lässig unter den Rädern vorbeiziehen lasse, dass ich eine Kante übersehe und somit den zweiten Zwischenstopp verursache. Durchschlag mit Felgenschaden.
Drei Mann und ein Tublessmantel… ein Kampf, aber der Gummi verliert zum Glück nach einigem Gezicke.
Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Bergkamm als wir wieder am Parkplatz ankommen. Wir resümieren die Tour und sind uns einig – geil war`s.

Glamping, das [ˈɡlɛmpɪŋ]

5:30 Uhr morgens. Verdammt ist das früh. Aber es soll sich lohnen. Ein Vereinsausflug steht an. Lange her und höchst an der Zeit. Tom und Chris fahren vor. Mein Bike noch auf den Heckträger und los geht`s gen Süden. Ohne Stau, dafür zeitenweise mit Schnee und weil es viel zu quatschen gibt – kurzweilig – chauffiert uns 3Kind-Tom zielsicher Richtung Arco. Unterwegs wird die ruhige Reise durch ein Hupkonzert unterbrochen – ein Treffen im fließenden Verkehr mit dem Rest der Truppe, den wir erst abends wieder sehen werden. Vorerst gehen wir getrennte Wege. Biking und Hiking eben. Konkret eine Gruppe geht Biken, eine klettern. Am Campingplatz angekommen staunt meiner einer nicht schlecht, während 2Kind-Tom schon grinst. Ein Zelt für drei in diesem Ausmaß – damit habe ich nicht gerechnet. Als Camping-Anfänger dachte ich an „kuschelige“ Zustände in einem kleinen Iglu und ich lerne was Glamping heißt. Ein Zelt mit Innenzelt, Türen – im weitesten Sinne… wow.


Das Ding ist schnell aufgebaut und wir widmen uns dem, wofür wir hier sind. Den Bikes. 2Kind-Tom, Chris, 3Kind-Tom und ich radeln los. Ich muss gestehen: Es ist schön hier in Arco. Meter um Meter geht es nach oben. Für manche schneller, für zwei andere etwas, nennen wir es mal entspannter. Die erste Pause – und hier ein gut gemeinter Tipp für alle – Jause einpacken ist ein Muss 😉.

Nach etlichen weiteren Höhenmetern erreichen wir das Plateau – Ziel des Tages. Nach all den Regentagen und der Kälte in der Heimat tut es richtig gut, sich von der Sonne gewärmt auf die trockene Wiese legen zu können und die Seele baumeln zu lassen. Der Trail im Anschluss birgt unter dem vielen Laub einige Überraschungen, ist aber technisch nicht sehr fordernd. Aber es macht wieder unglaublich viel Spaß sich, das Bike und die Natur mal wieder so intensiv zu spüren.

Zurück am Campingplatz treffen wir dann auch Matze, Stone und Elisa und Felix. Auch sie können sich die Seitenhiebe betreffend unsrer Schlafstätte nicht verkneifen. Doch … der Tag klingt gemütlich aus. Darf er auch – so waren es doch über 1.400hm am Bike bzw. 11 Seillängen. Ich muss gestehen, ich bin mit dem Klettern nicht so vertraut aber diese Anzahl an Seillängen und dem Schwierigkeitsgrad 6/6+ – Respekt! Ein paar isotonische Getränke bzw. Flaschen Rebensaft später geht’s zu Bett. Die an und für sich ruhige Nacht wird in den Morgenstunden durch ein Gewitter gestört. Und es ist kalt geworden – sehr kalt. Der Blick vom Zelt auf die gegenüberliegenden Anhöhen zeigt warum. Dort wo wir gestern noch in der Sonne die Seele baumeln ließen, liegt heute Schnee. Der Ausblick und der einsetzende Regen trüben die Euphorie dann doch. Abreise ist der allgemeine Gedanke. Doch so schnell lassen wir uns nicht vertreiben. Kurzer Hand hängen wir das Innenzelt aus und so wird aus dem vortags belächeltem Luxuszelt ein Speisesaal für acht. Der Duft von frischem Kaffee und Brot erfüllt den Raum. Der Vortag wird resümiert und wir vergessen zwischenzeitlich das schlechte Wetter.

Ein wenig später trennen sich unsere Wege. Matze und Felix, Stone und Elisa starten mit den Bussen am Nachmittag Richtung Heimat, nachdem sie doch noch eine trockene Klettertour ausfindig machen konnten. Auch 2Kind-Tom hat sein Auto schnell abfahrbereit. Uns hält der Abbau des Zeltes noch ein wenig auf – und das ist gut so. Kaum mehr zu glauben, aber dann doch – die Sonne kommt raus.

Kurzer Hand sind 3Kind-Tom, Chris und ich doch nochmal am Bike. Was Kurzes, was Feines soll es sein. So war es dann auch – ein lässiger Trail, sogar mit Tragepassage (abwärts – weil kein Weg da, wo wir meinten es wäre einer).

Nach ein paar Pizzaschnitten im Tal reisen auch wir ab und erfreuen uns daran, dass wir als Verein mal wieder unterwegs waren.

Kein schweres S aber so schee…

Kein schweres S aber so schee…

Zugegeben hat es zwei Anläufe gebraucht um diesen Gipfel zu machen. Aber was will man machen wenn Regen und Gewitter die Umkehr erzwingen.
Zurück in die Gegenwart. Tom und ich starten wieder vom Parkplatz und sind froh, dass der Wetterbericht wohl richtig war – es dürfte heute noch ein paar Stunden trocken bleiben. Gequatscht wird viel – haben wir uns diesen Sommer auch selten gesehen und noch seltener eine Tour gemacht. Die Momente in denen uns auf Grund von Steigung und Hitze die Luft zum Reden fehlt hören wir die Fauna unserer schönen Heimat. Leider bleibt das fröhlich pfeifende Murmeltier aber unentdeckt.


Der fahrbare Weg nach oben endet nur 2 Kehren nach der letzten Alm und wir schultern unsere Bikes – ein zugegeben mittlerweile sehr ungewohntes Gefühl. Über die noch saftige Wiese gepaart mit den ersten herbstlichen Verfärbungen der Flora und den kitschig schön herausleuchtenden Erika machen wir schnell Meter nach oben. Dann, zur Erleichterung – psychisch und physisch eine flowige Querung des Hanges die auch schon für die Abfahrt sehr viel Spaß verspricht.

Die letzten Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz sind für uns beide quälend anstrengend. Das Kreuz lacht, von einigen Sonnenstrahlen imposant in Szene gesetzt, zu uns herunter – durchbeißen also. Am Gipfel angekommen sind dank Hormonen und unglaublich schönem Ausblick sowie der Freude über die gemeinsame Tour, alle Anstrengungen sofort vergessen.
Wir nutzen die Wetterlage und können endlich auch wieder Bilder machen, die uns selbst sicher auch wieder für neue Touren motivieren werden und euch vielleicht vermitteln wie schee wir es doch hier in Tirol haben.

Mit Schwierigkeitsgraden jenseits der S2 kann dieser Berg nicht aufwarten, aber Stufen, Platten und Spitzkehren gefolgt von losem Geröll lassen mir – zumindest in Gedanken – so manches „Huiuiuiui“ über die Lippen kommen, wenn der geplante Stopp mit dem Bike sich dezent verschiebt. Ein wenig tricky wie man das wohl heutzutage nennt.
Die Querung zaubert uns ein Grinsen ins Gesicht, die Stufen über die Wiese hinunter beuteln uns durch – relaxed wird dann am Weg zur Alm hinunter mit den langegezogenen Kurven und Jumps.
Die letzten Meter talwärts (für die, die es etwas genauer wissen wollen – gesamt über 1.200m) folgen wir den Schildern und Wegen die die Abkürzung zum Parkplatz ausweisen und freuen uns über den einsetzenden Regen als wir am Auto angekommen sind.

Montag

Ein ungewohnter Tag für eine Tour. Wenn ich zurück denke – auch über Jahre – dann war das tatsächlich die Erste dieser Art.
Im Nachhinein betrachtet war es ein sehr glücklicher Zufall, dass wir zu viert an diesem Tag Zeit hatten. Das Tiroler Wetter macht es einem ja derzeit echt sehr schwer Touren zu planen.
17 Uhr. Ich sitze leicht verträumt auf der Mauer der Innbrücke, die Sonne scheint mir ins Gesicht und mit Ain`t Nobody über die Kopfhörer in den Ohren dauert es eine halbe Ewigkeit bis ich merke, dass Fibs schon im anrollen ist. Minuten später ist auch Tom da. Auf geht`s. Reini wartet ein paar Meter weiter oben. Auf „Schleichwegen“ durch Hötting – danke Tom für das Aufzeigen neuer Wege. Aber 23 Prozent Steigung zum einradeln? Reini hat recht – man muss den Weg kennen um ihn zu hassen.


Auf dem Forstweg angekommen mit etwas Wind wird es langsam temperatur- und steigungsmäßig langsam erträglicher. Nach kurzer Wasserdurchfahrt und Pause geht es in gewohnter Manier zu Fuß bergwärts. Die Schotterrinnen und die ausgesetzten Stellen lassen mich schon etwas grübeln wie viel davon ich heute fahren werde? Eine kurze Pause bei der wir kurz übers Klettern philosophieren und den Jungs und Mädels an der Wand beim Vorstieg zusehen und dann das letzte Stück hoch.
Talwärts – ein kurzes Flachstück über etliche Wurzeln muss reichen um wieder etwas Gefühl fürs Bike zu bekommen. Eins ist uns gemeinsam – es fehlt heuer noch einiges an Training, aber „a Gaudi ist es jetzt schon wieder“.

Die erste Schlüsselstelle. Tom zeigt auf 2/3 der selbigen wie es gefahren werden kann. Wir anderen begnügen uns an dieser Stelle mit dem ersten Abschnitt. Es folgen die eingangs erwähnten Schotterrinnen an teils ausgesetzten Stellen, Spitzkehren und Treppen. Und da ist es wieder. Das Feeling was unseren Sport ausmacht. Die Strapazen des Aufstiegs sind vergessen und weiter geht es talwärts mit breitem Grinsen im Gesicht.
Kurze Pause – es braucht nun doch die Stirnlampen. Sind wir ja doch erst nach der Arbeit los. Ein paar Meter auf dem Forstweg und dann – wieder ein mir unbekannter Weg. Zum Teil Hohlweg mit lang gezogenen Kurven. Rein technisch gesehen könnte man es wohl Anleger nennen. Zum Teil verwurzelt, mit Treppen, Jumps und ein, zwei Uphill-Passagen aber super flowig – ein schöner Abschluss für die Tour.
Und an dieser Stelle auch mal ein Danke an unsere Frauen und Familien, die uns die (Frei)Zeit und das Vertrauen schenken, dass wir auch wieder heil heim kommen.

Nicht schon wieder!!

Nicht schon wieder!
Der Gedanke lässt mich nicht los als ich die schwarzen Wolken über Innsbruck aufziehen sehe. Nicht schon wieder eine Tour auf Grund der heuer etwas inkonsistenten Wetterlage abblasen. Naja – es sind ja noch gut eineinhalb Stunden bis zum vereinbarten Abfahrtstermin.Okay – Es fällt zumindest kein Regen. Auf den Sattel Richtung Bushaltestelle. Ich bin heute zu faul um zu Tom nach Innsbruck zu treten. Verdammt eng wenn man ein Bike mit Rahmengröße L in einen IVB-Bus stellt und dann auch noch eine junge Mutter mit Kinderwagen zusteigt.In Toms Vorgarten angekommen bin ich doch recht erstaunt wie sich die Wetterlage in der letzten halben Stunde verbessert hat. Tom sieht´s ähnlich und disponiert spontan um.


„Pack ma die Radln aufs Auto und fahren a Stück.“17 Uhr und noch immer kein Regen. Das Wetter meint es tatsächlich gut mit uns. Voller Motivation, aber – so stellen wir bald fest – ohne Kraft in den Beinen, treten wir die Serpentinen bergauf. Abstinenz macht schwach. Wir müssten echt mehr Touren machen so der einhellige Tenor.
Die Sonne, die kitschig grünen Wiesen und der Gedanke endlich wieder einen Gipfel zu machen und eine geile Abfahrt zu genießen treiben uns an. Kurze Pausen dienen der Erholung und dem Aufsaugen unserer wunderbaren Alpenwelt. Auch wir folgen aktuellen Trends und verschicken von unterwegs Selfies. Links von uns thront ein Gipfel den wir letztes Jahr um die selbe Zeit befahren haben und wundern uns über die dortige Schneelage. Egal – vor uns liegen saftige Wiesen, verblockte Abschnitte und flowige Schotterrinnen.

19.30 – Am Gipfel. Laut Google-Recherche gut eine halbe Stunde schneller als für diesen Aufstieg angegeben. 6,2 Grad – das könnte echt mehr sein, aber es tut sich links von uns ein Wolkenfenster auf und die ersten Sonnenstrahlen erhellen die gegenüberliegende Talseite. Mit der Sonne im Rücken, Schafen gegenüber und wunderschönen Talblicken starten wir die Abfahrt. Ein super Gefühl – Die Mühen des Aufstiegs sind vergessen (aber deutlich spürbar). „1.300 hm sind für eine Abendtour a nit wenig“, so Tom, „vor allem wenn man sie auch wieder runter fährt“.

Am Ende des Trails cruisen wir entspannt die eingangs angeführten Serpentinen talwärts. Treffen auf ein Reh, welches vor uns entspannt den Weg kreuzt (ja wir bremsen für alle Wald- und Bergbewohner), ein paar Kühe, eine Pferdeherde welche wir mit ausgeschaltenen Stirnlampen im Schritttempo umfahren und einen 5er BMW mit Xenonscheinwerfern. (man verzeihe mir diesen kurzen Exkurs bzw. Seitenhieb auf Autofahrer, die ohne Folgen unsere Berge befahren dürfen…)Auf jeden Fall – eine geile Tour! Endlich mal wieder.

3004 um 12

3004 um 12 – Ein Wechselbad der Gefühle

Das Knight Rider Thema ertönt links von mir am Schreibtisch. Tom am Display und am anderen Ende der Leitung. Nach langer Sommerpause steht wieder eine Tour an – nächste Woche. Nähere Infos folgen.
Die nächste Woche und die näheren Infos sind da. Andre wünscht sich einen Dreitausender. Gut 3004 m ist der Gipfel hoch und los geht’s Punkt 12. Langsam dämmert mir, worauf ich mich da einlasse. Noch nie so hoch, noch nie so weit. Aber zugesagt ist zugesagt und irgendwann muss ich ja das Tragen lernen.
Mittwoch, 12 Uhr: Reini ist mittlerweile auch am vereinbarten Treffpunkt angekommen, die Bikes sind verladen. Weiter geht’s zu Andre. Tom bringt uns wie üblich souverän und kurzweilig zum Ausgangspunkt der Tour.

200 lockere Höhenmeter am Sattel müssen reichen um die Wadel munter zu bekommen. Wem das zu wenig war, der griff mal kurz in die Elektroeinzäunung. Kaum die Bikes geschultert schreiten wir über eine Bergwiese weit schöner wie die Zalando-Wiese im Halltal (jaja, der Frauenschuh..) in Richtung Gipfel. Zügig kommen wir die ersten Höhenmeter voran und ich lerne Biking and Hiking dank neuem schwereren Bike immer intensiver kennen. Ein Ziehen in den Schultern setzt ein, aber es fühlt sich richtig an.


Die erste Pause auf einem Postkartenmotiv gleichenden Plateau mit Blick zum Gipfel. Und schon tauchen die ersten Fragen auf – wie weit sind wir schon, wie weit ist es noch und wo müssen wir da überhaupt entlang gehen? Gemeinsam finden wir die Antworten und ziehen weiter, durchschreiten die ersten verblockten Steinfelder und machen rasch Meter – der Zeitplan steht – spätestens halb 6 sollten wir den Gipfel erreicht haben um die Abfahrt noch bei Tageslicht genießen zu können.

Die letzte Pause geschätzte 100 m unter Gipfel. Vor uns der nackte Fels, den es zu durchschreiten gilt. Fünf Minuten Pause dann geht’s zum Endspurt. Von spurten weit entfernt frage nicht nur ich mich, was tun wir da? Ist es das wert? Wessen Idee war das mit dem Dreitausender? Wie kommen wir da wieder runter? Im Wechselbad der Gefühle aber mit sicherem Tritt durchschreiten wir den Grat und erklimmen die letzten Meter hoch zum Gipfelkreuz. Hier oben wird auch ein ordinäres Cola zum wahren Hochgenuss.

Dank eingehaltenem Zeitplan bleibt uns genügend Zeit für das obligatorische Gipfelfoto und einen entspannten Start der Abfahrt über den wunderschönen Gipfelaufbau, die Flanke entlang hinunter zum Grat, den wir wieder tragender Weise durchschreiten.

Der Rest ist Routine *räusper*… der Rest ist das was diese Touren neben den unglaublichen Landschaftseindrücken, dem Gefühlschaos, dem Kennenlernen der eigenen Grenzen, den Erfolgsgefühlen und den kleineren oder größeren Blessuren so einzigartig machen – die geteilte Leidenschaft mit Gleichgesinnten.
In diesem Sinne – lassen wir die Bilder sprechen …

3 Grad, kühler Wind, leichtes Nieseln – die Stimmung hält

Halb 8 Uhr morgens an einem typischem Tiroler Frühlingstag – kalt, nass aber in Gedanken schon im warmen Süden, im Weindorf Terlan um es genauer zu sagen. Tom und ich laden Andre`s Bike in den Caddy und unsere beiden Bikes Huckepack hinten drauf. Um den Carabinieri keinen Grund zum Nörgeln zu geben kommt noch das hübsche rot-weiße Taferl drauf.Minuten später entdecken wir einen leicht fröstelnden, aber noch nicht ganz wachgerüttelten Andre am Straßenrand. Rein in den mittlerweile warm gelaufenen VW bringt uns Tom sicher Richtung Italien. Kleine Schneeflocken am Brenner, Nebel an den Berghängen – Egal – im schlimmsten Fall gehen wir Pizza essen (tönt es aus der 2ten Reihe).

Terlan – Es riecht nach Sonne und Meer – bilden wir uns ein. Naja – im Vergleich zu 3 Grad bei der Abfahrt wirken die Weinberge im Sonnenschein fast wie ein Urlaub an der Adria. Entlang der schön asphaltierten Auffahrt, vorbei an der Zilli begegenen uns die gewohnten Schilder: 2 Rindviecher mitten auf der Straße (Foto), immer sechseckige Felsbrocken (danke Tom für die Nachhilfe, wusste ja echt nicht, dass die Brocken in Italien so symmetrisch sind) und immer wieder die Doppelkehren obwohl eingangs etwas von „nur“ 4 Tornanti stand.Zur Begrüßung im Gelände treffen wir auf eine Lama-Herde und ziehen trockenen Fußes weiter. Tom kennt die Strecke und beruhigt Andre, dass die Hütte nach dem Felsdurchstieg nur noch ein paar Meter weiter ist (er meinte wohl Höhenmeter).

Mittagessen vor der Hütte, 3 nette Mietzen (Foto) mit am Tisch, Sonnenschein – herrlich.Die Abfahrt – a bissal Schnee am Plateau – naja, wohl doch nicht an der Adria, aber dann wird’s, nach den ersten Stufen voller Schmelzwasser immer trockener und flowiger. Eine fast schon berauschende Abfahrt in den Steineichen- und Weinrebenhängen. Die Fußgänger sind uns wohlgesonnen, wünschen uns lebend unten anzukommen… Wir sind angekommen .. zum ersten Mal in dieser Saison.. und geil war`s.