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Teil 1 – Eine Woche Biken

Die Verletzungspause ist vorbei! Ich hatte das Bild von den Kühen vor Augen die ich mal sah, als sie den ersten Tag nach dem Winter auf die Weide durften. Wie sie da herumhüpften vor Freude und Ausgelassenheit. Am ersten Biketag nach 4 Monaten Abstinenz hatte ich ein ähnliches Gefühl in mir.
Stone und ich entschieden uns, nach einer Rücksprache mit unserem ganz persönlichen „Karl Gabl“ also Felix, eine Woche ins Grenzgebiet Schweiz-Frankreich zu fahren (manchmal auch als Portes Du Soleil bezeichnet). Überall sonst in Europa von der hohen Tatra bis in die Gegend um Briançon war Regen angesagt. Da waren wir natürlich sehr gespannt, ob unser Wetterprophet recht behalten sollte, denn vor drei Jahren hatten wir dort kein Glück und 1 Woche Dauerregen (Stone übrigens auch damals bereits mit dem Citroen Bus wie die Fotos beweisen. Und ja Felix ich weiß, wir sind zu früh heimgefahren damals 😉 ).

Geplant war dort klassische BikeHiker Touren zu finden und vielleicht 1 oder 2 mal in einem Bikepark zu rocken. Außerdem wollten wir mal nach Chamonix gegenüber vom Mont Blanc Biken. Das war also der Plan.

Am Tag 1 (nach der Anreise am Samstag den 30. Juli) befolgten wir einen Tourtipp von Felix (der kann nämlich nicht nur das Wetter vorhersagen). Aber irgendwie klappte das nicht so ganz, denn obwohl er uns vor der „Variante Klettersteig“ zum Gipfel warnte, landeten wir genau dort. Wir konnten einfach den Normalweg nicht finden 🙂
Doch anders als Felix und Tine die damals umdrehten, war bei uns durchhalten und Teamarbeit angesagt, damit wir überhaupt die Räder über die senkrechten Felsstufen und den ausgesetzten Gipfelgrad brachten. Als Stone als erstes von uns beiden den Gipfel samt Bike unterm Arm erreichte, war das Gelächter der rund 10 anwesenden Bergsteiger groß. Kein böses Wort, keine abwertenden Blicke, nur Anerkennung (klingt witzig wenn man in französischem Akzent „well done“ hört).

Typisch für das Gebiet dort ist, dass die Kalkberge auf einer Seite beinahe senkrechte Wände bieten, auf der anderen aber Grasflächen. So war es auch dort. Am Gipfel angekommen, lagen wir 5 Meter neben dem Gipfelkreuz gemütlich in der Wiese zum Jausnen. Lieber wär uns allerdings gewesen, wir hätten uns zusammengekauert am Gipfelkreuz anlenen müssen, denn das hieße gleichzeitig, dass uns eine knackige Abfahrt bevor stehen würde. In diesem Fall sah die Abfahrt so aus, dass wir gemütlich über Grasflächen und ein paar relativ Flache Felsplatten nach unten surften. Selbst ab dem Joch wo Felix und Tine schon vor uns waren, zeigte sich der Weg zwar steil, aber trotzdem von der sanften Seite und führte uns so S2 mit ein paar ganz wenigen S3 Stellen ruck zuck ins Tal. War ganz nett, ideal zum wieder Eingewöhnen für mich und meine linke Schulter, auch landschaftlich ein Traum, doch ohne rassigen Kletteraufstieg wären wir wohl nicht wirklich zufrieden gewesen. So hat’s aber gut gepasst für den ersten Tag.

Was sich uns auch noch eingeprägt hat, war die Kühnheit mit der die Franzosen einen typischen Wintersportort aus dem Boden stampfen. Da führen gleich 4 Seilbahnen quer durch den Ort, da werden Hotels mit 10 Stockwerken direkt an die Kante einer mehrere hundert Meter hohen Felswand gestellt, da gibt es einen Golfplatz auf 1800 Metern Höhe und im Sommer stehen gleich 10 Kräne herum um neue Riesenhotels zu bauen. Ischgl, St. Anton, Sölden, alles Pipifatz dagegen.

Am Tag 2 wussten wir es nicht besser und hielten uns erneut an Felix‘ Tourempfehlungen. 1100Hm auf einen Refuge (also eine Berghütte). Eventuell erweiterbar, Felix war mit Tine aber nur bis dort. Landschaftlich wieder absolut Top, waren die 1100Hm trotz sehr steiler Forststraße im Nu geschafft. Zum ersten Mal sahen wir das Mont Blanc Massiv aus der Nähe, denn uns trennte nur noch ein Tal vom direkten Blick hinüber. Außerdem kam schon richtig Hochtourenfeeling auf, denn über uns tronte ein frisch beschneiter Dreitausender.

Wir entschieden uns die Hüttenrast für die Abfahrt einzuplanen und zogen gleich vorbei weiter nach oben. Wir betraten also Neuland, wo noch keiner von uns BikeHikern vorher war. Schlagartig änderte sich der Charakter des Steiges und es wurde tatsächlich hochalpin. Kalkpassagen, Plattenspielerei und Verblocktheit vom allerfeinsten, so wie wir es lieben. Ausgesetzte Querungen, Spitzkehren mit Felsstellen, alles was das BikeHiker Herz begehrt. Nach ca. 1600Hm ließen wir es gut sein, der Steig wäre aber noch lange nicht zu Ende gewesen. Mit Hüttenübernachtung könnte man hier ganz locker eine Tour mit mehr als 2000Hm Abfahrt machen.
Während der „Gipfelrast“ beobachteten wir einen Adler, der ohne einen einzigen Flügelschlag eine Stunde lang seine Kreise zog. Die Steilwände des Dreitausenders mit den sandsteinartigen Säulen und den extrem hohen Wasserfällen drückten bedrohlich herüber, obwohl wir weit davon entfernt saßen. Bald zogen wir uns an, denn leider schwamm (oder wie lautet die korrekte Beschreibung Felix?) wie am Vortag Nebel von allen Seiten herein und wir wollten so gerne noch die Abfahrt filmen und fotografieren.

Wie vom Aufstieg her nicht anders zu erwarten war, erfüllte der Steig alle unsere Wünsche. Es gingen viele Schlüsselstellen auf, an Verspieltheit war kaum eine Grenze gesetzt. Gut dass wir nur zu Zweit waren, denn so blieb uns genügend Zeit vieles zu probieren. Das Wetter zeigte sich gnädig. Der Nebel kam und ging, jedoch zog es nie entgültig zu. Irgendwann erreichten wir die Hütte, tranken noch schnell ein Cola und weiter gings auf Felix‘ empfohlenem Steig nach unten. Eine Spitzkehren-Orgie ohne Ende mit Querungen ohne Ende. Am Ende war jedoch ich, bzw. meine linke Schulter. Kraftlos, zum Glück aber ohne Schmerzen hab ich alle Rechtskehren auslassen müssen, irgendwann dann auch so manche Linkskehre. Wird halt noch eine Weile dauern, bis ich wieder in alter Form bin.

Wie uns Felix versprochen hat, mündete der Weg am unteren Ende in einem kleinen Bikepark (zur Erinnerung wir befinden uns in Frankreich, Portes Du Soleil, wo ganze Familien mit ihren Downhillern den Sonntag im Park verbringen). Wir cruisten die Downhillstrecke nach unten und landeten in einem Northshore Paradies. Wie sich am Ende der Woche zeigen wird, dem lässigsten Parcours den wir in der ganzen Gegend finden konnten. Leider war ich am Ende meiner Kräfte und traute mich daher nur noch die leichteren Sachen fahren. Stone tobte sich aber nochmal so richtig aus. Irgendwann um 20 Uhr 15 oder so verließen wir den Park. Wir fuhren aus dem Wald und standen auch schon beim Auto. Der Parcours war offenbar nur 2 Minuten vom Auto entfernt gewesen.

Am nächsten Tag war dann Liftshuttle angesagt, aber nicht Bikepark, sondern Plattengetriale und ein freier Blick auf den Mont Blanc. Doch das ist eine andere Geschichte und folgt in Teil 2…

7 Kommentare

  1. petro
    Posted August 10, 2011 at 15:26 | #

    Top, schön das du wieder fit bist

  2. Andreas Dwo
    Posted August 10, 2011 at 18:13 | #

    Sehr schöne Fotos! Und nette Jungs on Tour.

  3. Tom
    Posted August 13, 2011 at 20:30 | #

    Pfah, schaut hammermässig aus. Will ah…. hab dafür in Südtirol an Wewg gescoutet. Da red ma no a mol. Geile Photos und nett gschriebn.
    😮

  4. Sister Stone
    Posted August 18, 2011 at 10:16 | #

    No. 32 (Picture) – denn wea i a boid ugea:-) ohne Radl!!
    Feine Storie mit wia oiwei geile Buidln……

  5. Achim
    Posted August 25, 2011 at 05:54 | #

    Gefällt mir – subber 😉

  6. hanna
    Posted September 16, 2011 at 22:23 | #

    +1 – i like – mir gefällts – i will a! super fotos – wie immer!! 🙂

  7. Posted April 4, 2013 at 09:15 | #

    Hey, habe gerade fasziniert “Evolution” gesehen und den Tollen Bericht von der Frankreich-Woche! Ich liebe diese Gegend, wir sind Sommers wie Winters im Grand Massif. Mt. Buet mit Bike ist aber noch auf der ToDo-Liste..
    Übrigens war das kein Adler, sondern ein Bartgeier 😉 die leben da…

    Bitte – eure Tour am 5. Tag in Les Gets – welches Refuge war das und auf welchen Gipfel ging es da? Bilder und Bericht sind super!!!!

    lg stay safe

    der olli

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