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Für eine Handvoll Schotter

Eines Abends saßen Häuptling Großer Stein, der Medizinmann, der Bruder mit den vielen Kindern, Häuptling Große Locke und der, der aus dem Norden kam, rund um das Lagerfeuer. In ihrer Hand eine alte Schatzkarte, welche sie in den unendlichen Weiten der Prärie zufällig gefunden hatten. Müde und gezeichnet vom langen Sommer war die Aussicht auf den legendären Schatz „liarTyloH“ eine große Versuchung, zumal man damit eine ganze Menge Feuerwasser kaufen könnte. Schnell stellte sich heraus, dass einer lieber seine Wunden von den letzten Abenteuern pflegen wollte, der eine noch unbedingt zur Eröffnung des neuen Saloons hinter dem kleinen Teich wollte und der andere die Löcher in seinem Wigwam flicken wollte. Da entdeckte Häuptling Großer Stein am Horizont Rauchzeichen von dem, der sein Pferd rot angemalt hatte. Er hatte von dem günstigen Tag für die Schatzsuche erfahren und wollte mitkommen.

So kam es, dass am folgenden Morgen Häuptling Großer Stein und der, der sein Pferd rot angemalt hatte, sich auf den Weg in das Gebiet der Bleichen Berge machten. Von Überlieferungen wussten sie, dass es dort nur so wimmelte von bewaffneten Bleichgesichtern, die in ihrem Revier keine berittenen Rothäute duldeten. Daher brachen sie lange vor Sonnenaufgang auf um das dicht besiedelte Tal des Großen Flusses im Schutze der Dunkelheit unerkannt zu durchqueren. Das erste Ziel auf der Karte, eine Hütte am Waldrand, war bald gefunden. Der kühle, feuchte Wald bot zwar Schutz vor den vielen Bleichgesichtern im Tal, aber die Pferde kamen im steilen Gelände nur mehr mühsam voran. Der Weg hinauf war noch weit, die Pferde mussten noch dringend für den Rückweg geschont werden, daher blieb Häuptling Großer Stein und dem, der sein Pferd rot angemalt hatte, nichts anderes über, als ihre Pferde zu tragen.

Als sie den Wald durchschritten hatten, brannte die Sonne unbarmherzig auf ihre Haut. Sie kämpften sich durch steile Geröllfelder und felsige Absätze, bis sie einen kleinen Vorgipfel erreichten. Ein Blick auf die Karte zeigte ihnen, dass sie am richtigen Weg waren – die grüne Wiese mit dem Schneefeld und den vielen Gemsen war gefunden. Müde ließen sie sich nieder und verzehrten einen großen Teil ihres Proviants. Dann blickten sich Häuptling Großer Stein und der, der sein Pferd rot angemalt hatte, um und suchten das Kreuz, mit dem der Schatz auf der Karte markiert war. Als ihre Augen über die steile, felsdurchsetzte Wand schweiften, erspähten sie am höchsten Punkt der Bergkette ein Holzkreuz, um das sich bereits zahlreiche Bleichgesichter geschart hatten. Der Weg dorthin schien so schwierig und ausgesetzt, dass sie ihre Pferde am Fuß der Wand an einen Felsen anbanden. Sie ließen dort alle Kleidungs- und Ausrüstungsstücke zurück, welche sie als berittene Rothäute entlarvt hätten. So kurz vor dem Ziel, ein wenig beunruhigt wegen der zahlreichen Bleichgesichter, setzten sie ruhig ihren Weg fort. Sie ließen sich ein wenig neben dem Kreuz nieder und beobachteten die Bleichgesichter, welche bereits rund um das Kreuz gegraben hatten. Sollten sie zu spät gekommen sein? Die fröhliche Stimmung zwischen den Männern und die vielen, prall gefüllten Taschen stimmten Häuptling Großer Stein und den, der sein Pferd rot angemalt hatte, traurig. Um ihre Tarnung nicht auffliegen zu lassen brachen sie auf, sie wollten ihre Pferde vor den Bleichgesichtern erreichen. Ohne den erhofften Schatz kletterten sie nach unten und erschraken, als sie ein Bleichgesicht bei ihren Pferden sahen. Zum Glück war es ein harmloser Siedler auf der Durchreise, der hier noch nie ein Pferd gesehen hatte.

Obwohl die Pferde an unwegsames Gelände gewohnt waren, mussten die beiden Rothäute sehr vorsichtig sein, ein falscher Tritt und sie wären in die Tiefe gestürzt. Kaum hatten sie den Pfad der vielen Spitzkehren im Wald erreicht kamen sie schneller voran, der Talboden war bald erreicht. Sie klopften den Staub von ihrer Kleidung und leerten die Steine aus ihren Mocassins. Eine Handvoll Schotter war alles, was ihnen von dieser Schatzsuche geblieben war.

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