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Schicksal

Noch keinen Meter am Bike und schon einen Patschen – am Auto nämlich. Der rechte Hinterreifen liegt platt vor uns und zum ersten Mal montiere ich einen Notreifen. Besser gesagt erledigt das Tom für mich, ich stehe nur dumm daneben. 4,2 Bar druckt braucht der. Das schafft nicht mal Tom mit seiner super Bikepumpe und dickem Oberarm. Also wieder zurück nach Sterzing zur nächsten Tankstelle. Jetzt fängt’s auch noch an zu regnen. Verflixt es war doch für Südtirol Schönwetter angesagt und nur bei uns zuhause Regen! Also schnell unseren ganz persönlichen Wetterfrosch anrufen und einen Lagebericht checken. „Die laufen auch noch in Bozen mit Schirmen rum“ und „da kommt noch einiges an Regen auf Euch zu“ ist die ernüchternde Botschaft von Felix. Inzwischen regnet’s schon so stark, dass wir beschließen nach Hause zu fahren. Was soll’s, dann kaufen wir halt noch eine gute „Brennerjause“. Doch auch daraus wird nicht’s. Donnerstags ist am Brenner nämlich alles zu. Wussten wir nicht. Was ist heute blos los? Hat Tom seine Suppe nicht brav ausgelöffelt und verschweigt mir das?

Wieder zuhause angekommen (natürlich hat’s hier nie geregnet und eine Tagestour wäre kein Problem gewesen) beschließen wir sofort, den restlichen Tag für eine Tour Richtung Hausberg zu nützen. Jetzt denken wir uns natürlich: „Ja fein, die Steigerln da oben kennen wir eh schon alle, wird a feine G’schicht“. Doch auch das wird heute anders laufen, wie soll’s sonst sein an einem so verrückten Tag. Wir finden einen Steig, den wir nicht kannten (zumindest den oberen Teil) und er ist der Hammer! Verwinkelt, verspielt, technisch. Zwischen zwei Kurven muss das Hinterrad dreimal versetzt werden – mindestens! Dann wird er flowig, zum Schluss richtig schnell. Alle Pannen sind entschädigt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt mit einem so dicken Grinsen im Gesicht vom Biken vor der Haustür nach Hause kam. Und das beste: Für morgen ist wirklich gutes Wetter in Südtirol angesagt und Stone, der heute krank im Bett liegt, wird auch Zeit haben…

Freitag ist – komisch – alles hier kommt mir so bekannt vor. Als ob die Zeit einen Tag lang stehengeblieben wäre. „Genau hier haben wir gestern gestanden…“ lacht Tom. Doch plötzlich erreichen wir Neuland. Diesmal ging’s gut. Ohne Patschen erreichen wir den Ausgangspunkt, der eigentlich gestern angepeilt wurde. Stone, der immer noch krank wirkt, ist mit seinem roten Boliden angereist. VIVIO heißt ja angeblich soviel wie 660 (nur halt in römischen Ziffern geschrieben), weil sein Subaru genau soviel ccm hat. Ziemlich genau doppelt so viel, allerdings nicht Kubikzentimeter sondern Höhenmeter, haben wir heute vor uns liegen. Gemütlich geht’s erst mal 970Hm über eine Forststraße, bis wir zur Hochalm kommen. Stone findet’s allerdings nicht ganz so gemütlich. Bei jeder Pause kramt er ein Zauberfläschchen hervor und nimmt einen kleinen Schluck von der dunklen Flüssigkeit. Irgendwas gegen Husten, ja ja. Zum Glück gibt’s bei uns keine Dopingkontrollen. Bei der Hütte begrüßen uns zwar keine Wanderer, dafür aber eine Schar hübscher Bergziegen und Tom fängt gleich mit einer zum Schmusen an. Doch keine Angst Ulli, die Lippen haben sich nicht berührt.

Nach einer Rast geht’s die letzten 400Hm mit geschulterten Bikes zum Gipfel und schon gleich zu Beginn der Tragepassage wird uns klar: Heut wird’s eine flowige Abfahrt geben. Gut dass sich Stone von Matze die Helmkamera ausgeliehen hat. Während ich an Richi und die beiden Matthiase denken muss (glaubt’s ma: die Abfahrt wär‘ was für Euch!) höre ich hinter mir den Maschtl immer leiser schnaufen. Liegt aber nicht daran, dass sein Wundersaft wirkt, sondern daran, dass er sich immer weiter zurückfallen lässt. Später erklärt er, er fühle sich wie in der Todeszone. Kompensation kaum mehr möglich. Stone wäre heute g’scheiter im Bett liegen geblieben. Unser Glück, dass er unvernünftig war und mitgekommen ist. Die Abfahrt ist, bis auf wenige Stellen, vom ersten bis zum letzten Meter mit Vollgas zu fahren und Spaß pur. Mit der Helmkamera von Maschtl gefilmt, liefern sich Tom und ich ein Rennen, das seinesgleichen sucht. Zum Glück sind bis auf einen Jäger und ein Auto mit zwei Bergwachtlern keine Leute unterwegs. Ein Schreckmoment für Wanderer und uns wäre kaum zu vermeiden. Übrigens sind uns sowohl der Jäger, als auch die Bergwacht freundlich gesinnt. Von 70,- Euro für ein Tagesticket „Biken auf verbotenen Trails“ ist hier noch keine Rede.

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