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Rolling Stone

Die Berge in Nordtirol stecken nach der letzten Kaltfront immer noch tief im Schnee, also fliehen wir erneut nach Süden um eine dieser Touren zu fahren, die schon lange auf unserer Liste der Wunschtouren steht. Stone konnte sich für heute von Matze’s Rad Teile ausborgen und so sein eigenes provisorisch hinbiegen. Der andere Matthias (wie Stone auch ein Geologe) lässt sich von uns „überreden“ mitzukommen. Ich glaube, es ist seine erste Biketour mit Tragepassage. Dank Liftln wird das ganze aber halb so wild (nur noch 650Hm bis zum Gipfel) und zum Tragen sind’s auch nur 200Hm. Voll easy also. Dafür 1900Hm bergab, yessss!

Mit zwei Geologen biken zu gehen, bedeutet viel Fachsimpelei. Ich höre da von Konglomerat und Sedimentgestein, weiß jetzt einiges über Granit und Gneis und lasse mir erklären, wie es zu irgendwelchen Biege-, Fließ- oder sonstigen Falten kam. Vieles davon und haufenweise Fachbegriffe hab ich mir aber leider nicht merken können. Vielleicht ist der kalte Nordföhn daran Schuld, der mir um die Ohren bläst. Am Joch haben wir Schwierigkeiten eine Stelle zu finden, wo es angenehm ist. Die Sonne scheint noch recht stark zu sein, doch der kalte Wind macht’s richtig ungemütlich.

Schwubdiwub da stehen wir schon am Gipfel. Im Vergleich zu den letzten Touren, erscheint es mir wie der sprichwörtliche Katzensprung bis wir unser Ziel erreicht haben, am kleineren der Zwillingsgipfel, denn der größere ist nur über einen sehr ausgesetzten Klettersteig zu erreichen – nichts zum Biken nur zum Hiken. Sonntag, Sonne, Sonnenschein, Berggipfel der via Lift einfach zu erreichen ist, natürlich sind wir hier umringt von Wanderern. Doch alle sind uns sehr freundlich gesinnt und an dem was wir tun interessiert. Alle bis auf einen, dazu aber dann gleich mehr…

Nach einer feinen Jause, Gipfelfotos und kurzem Sonnenbad geht’s los. Bereits nach wenigen Metern müssen wir allerdings feststellen, dass der Trail vom Gipfel bei weitem nicht so einfach zu fahren ist, wie er aussieht. Grund dafür ist der staubige Boden, auf dem lose Granitsteine, sogenannte „Rolling Stones“ liegen. Die Steilheit bewirkt nun, dass wir mit unseren Hinterrädern immer wieder einen der Steine mitziehen und wenn dann nicht aufgepasst wird, kullert dieser mitunter seitlich über den Weg den Hang hinab. Das ist natürlich sehr gefährlich für andere und am Berg absolut tabu! Also beschließen wir, uns weniger auf das Fahren, als auf die Steine zu konzentrieren. Die Folge: die ersten 200Hm sind kein Spaß und ich nütze daher die Zeit für ein paar Fotos. Ein Wanderer mit seiner etwa 6 jährigen Tochter, hat unsere Situation offenbar falsch interprediert und unser Tun als Selbstüberschätzung, Unsicherheit oder mangeldes Können gedeutet (wäre ja auch möglich ;-)), das aber auch noch offen ausgesprochen: „des is aber scho a Schwachsinn da mit die Radln zu fahren und dann können sie’s nicht mal g’scheit“. So oder so ähnlich war sein geistreicher Kommentar. Ich denke mir nur, dass man wohl kaum über die Sinnhaftigkeit von Extremsportarten am Berg diskutieren kann und beachte ihn nicht weiter. Doch unseren Stone, mit (meiner Ansicht nach) extrem viel Bergerfahrung, bringt dieses G’scheitloch in dieser Situation „zum kochen“. Da wir uns den Tag aber nicht durch einen Streit vermiesen lassen wollen, ersparen wir uns jeglichen Kommentar und ignorieren diesen „perfekten Familienvater“, der dann – wenige Minuten später – in den erwähnten, sehr ausgesetzten Klettersteig einbiegt. Und zwar ohne seine kleine Tochter zu sichern. Kein Gurt, kein Seil, nicht mal an seine Hand nimmt er die Kleine. Sie läuft einfach vor ihm her. Aufgrund der Entfernung schaffen wir es leider nicht mehr, ihn darauf aufmerksam zu machen, doch warscheinlich hätte er ohnehin nicht auf uns geachtet. Zum Glück bleiben solche Begegnungen auf unseren Touren aber die absolute Ausnahme und auch an diesem Tag führen wir ansonsten nur nette Unterhaltungen und erhalten viel positiven Beifall von anderen BergsteigerInnen.

Auf die unguten 200Hm folgt ein etwa 800Hm langer Trail, der genau dem entspricht was Felix – der heute ja leider nicht mit dabei ist – einen „Hammertrail“ nennen würde. Sofort ist das Erlebte vergessen und ein dickes Grinsen auf unseren drei Gesichtern erstrahlt das weite Tal vor uns. Schließlich treffen wir auf eine bewirtschaftete Hütte, gönnen uns hier eine Rast und cruisen anschließend die restlichen 900Hm den nun flowigen Trail zurück bis zum Auto. Matthias sieht sich nun auch für den misslungenen ersten Teil entschädigt, denn diese Art von Trails liebt er besonders.

Ausgepowert erreichen wir den Ausgangspunkt, wo unser Auto steht. Der Tag hat sich also nochmals zum positiven gewendet und wieder einmal kommen wir bei Eintritt der Dämmerung zufrieden zuhause an.

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