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Zum Nachfahren verdonnert

Es ist noch keine Woche her, dass Tom mit Fiona und Ingrid diese Tour hier im Stubai gefahren ist. Wie bereits berichtet, konnten Matze, Stone und ich aber aus diversen Gründen nicht mitfahren. Für Tom waren unsere Argumente allerdings keine ausreichende Entschuldigung, weshalb wir von ihm zum Nachsitzen verdonnert wurden (eigentlich sollte man ja sagen zum Nachfahren).

Maschtl hatte schon wieder einen Fehlgrund vorzuweisen, doch wir beide müssen heute unsere Strafe absitzen. Und als ob dem nicht genug wäre, bekommen wir noch ein Extra aufgebrummt. Eine Strafaufgabe sozusagen: Das Schultern des Bike bis zum Gipfel. Na Super! Das bedeutet dann also insgesamt 1600Hm, mit den Gazzas auf der Felge. Im Klartext: 20+ Kg Bikegewicht. Sind wahrlich kein Lärcherl. Soviel Höhenmeter hatten wir mit der Bestückung vorher noch nicht probiert (war ja ursprünglich nur für Bikepark Sessions vorgesehen). Nützt alles nichts. Einen gewaltigen Vorteil haben diese Patschen ja. Bergab bist Du damit der „King of Mountain“. Der Gummi bietet Grip ohne Ende. Fühlt sich am Singletrail ungefähr so an, wie eine Badehose die einfach nicht rutschen will, auf der Harakiri Rutsche im Freischwimmbad. Dort ein peinlicher Nachteil, hier der Hammer! Doch wenn dieser 2,6″ Reifen soviel Grip bietet, heißt das nicht auch automatisch Rollwiderstand zum Saugrausen? Hmm und ich dachte schon, es liegt am 13 Kilo Rucksack, dass es bergauf so zach dahingeht.

Zum Glück ist mir das schon längst wuggi, wenn mich Hardtail-Racebike-Fahrer mit 1/2 Liter Trinkflasche und nur einem Ersatztrikot bestückt überholen. Diesmal waren es übrigens nur drei. Zwei weibliche, ein männlicher. Jeder hat seine Daseinsberechtigung. Hauptsache Mensch hat Spaß dabei. Auf Höhe 2200 u.d.M bin ich jedenfalls froh, dann doch meinen 3 Liter Camelpack dabei zu haben, denn Brunnen oder Quellen gibt’s (zur Zeit) nicht auf diesem Berg. Ist das etwa auch Teil der Strafaufgabe von Tom? Ab jetzt heißt’s schultern. Noch 400 Höhenmeter bis zum Gipfel. Ab hier sind wir allein. Und wie sich zum Ende des Tages herausstellt, treffen wir auch bergab bis zum letzten Meter des Trails keinen Menschen mehr. Während Matze vor mir wie in Trance, Schritt für Schritt und mit gleichbleibendem Atemgeräusch Meter für Meter dem Gipfelkreuz entgegenfiebert, kreisen in meinem Kopf bereits die nächsten Gedanken: Wir üben hier einen Sport aus, der Spaß, Adrenalin, Ausgleich, Action, usw. ohne Ende bietet und kein Mensch weit und breit, der sich diese „Arena“ mit uns teilt! Ich hab ja schon viele Sportarten in meinem Leben aktiv betrieben: Fussball, Handball, Squash, Motorrad-Rennsport und Sachen wie Schifahren usw. sowieso, doch alle hatten etwas gemeinsam. Den Platz, an dem der Sport ausgeübt wird, musst Du Dir mit zig anderen Leuten teilen. Und nochmals zig andere schauen zu. Eigentlich ist das voll arg! Gleichzeitig bin ich natürlich heilfroh, denn einen „Massenansturm“ würde diese sensible Umgebung hier nicht verkraften. Und wenn schon der Berg „zum Sportgerät“ mutiert (wie es zum Beispiel im neuen „Bergauf“ vom OEAV auf Seite 12 heißt) dann sollten die Ausübenden zumindest darauf achten, als ob es das eigene „Sportgerät“ wäre und unbezahlbar noch dazu. Doch genug der Philosophie. Die erste Seilsicherung reißt mich aus meinen Gedanken. Bis hierher müsste alles fahrbar sein, doch die Stelle da sicher nicht. Noch zwei solche Folgen, dann stehen wir am Gipfel.

„Wenn Du mir das im Herbst 2005 gesagt hättest…“ freut sich Matze. Damals waren wir im Rahmen eines Betriebsausflugs hier heroben. Ohne Bike, versteht sich. Damals hatte Matze noch nicht mal eines und ich mein Radon Race Hardtail mit 1/2 Liter Flaschenhalter grad erworben. So schnell ändern sich die Zeiten. Wir ziehen uns um und rocken die 1600 Höhenmeter Singletrail ins Tal.
Ganz allein…

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